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Medizinprodukte

Knochen-Schraube mit Milliarden-Potenzial

Groß ist sie nicht, aber eine "Weltsensation", versichern ihre Entwickler. Der Hannoveraner Medizintechnik-Hersteller Syntellix präsentierte kürzlich die weltweit erste und einzige zugelassene selbstauflösende Kompressionsschraube der Öffentlichkeit.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Knochen-Schraube aus einem neuartigen Material auf Magnesium-Basis.

Knochen-Schraube aus einem neuartigen Material auf Magnesium-Basis.

© Syntellix

HANNOVER. Eine Niedersächsische Kooperation unter Führung der Firma Syntellix aus Hannover soll vielen Patienten Operationen ersparen.

Ein neuartiges, rund drei Zentimeter langes Schräubchen könnte bei orthopädischen Operationen künftig Implantate aus Titan oder Stahl ersetzen. Wenn die Schraube hält, was sie verspricht, wäre sie eine kleine Revolution in Sachen Fixierung von Knochen oder Knochenfragmenten.

Denn mit der Zeit löse der Körper das Material der Schraube - eine Legierung auf Magnesiumbasis - auf und ersetze es durch körpereigenes Knochengewebe, dessen Bildung es sogar fördere, heißt es.

Risiken einer erneuten Op entfallen

So erspart sie die zweite Op, die bisher nötig ist, um die eingesetzten Implantate wieder zu entfernen. Damit entfallen auch die Risiken einer erneuten Op, also etwa Infektionen oder das Narkoserisiko.

Zudem drücke die Schraube Kosten, erspare den Patienten die Schmerzen wenigstens einer Op und verhindere weitere Ausfallzeiten im Beruf.

Im Frühjahr erhielt die Syntellix AG für die Entwicklung des Materials "Magnezix", aus dem die Schraube gefertigt ist, den renommierten "Innovationspreis der deutschen Wirtschaft".

Beteiligt an der Entwicklung und Erprobung der Schraube waren neben Syntellix die Leibnitz Universität in Hannover und das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik Implantationsforschung und Entwicklung (NIFE), die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), sowie das Zentrum für Funktionswerkstoffe (ZFW) in Clausthal-Zellerfeld.

Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) rühmt die Kooperation der Netzwerkpartner in Niedersachsen. Hergestellt wird das Implantat von der Firma Königsee-Implantate im Bayerischen Aschau.

Derzeit befindet sich die Schraube in der Erprobungsphase, sagte der Orthopäde Professor Henning Windhagen von der orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover.

Keine Komplikationen bei den ersten Patienten

Er hat Ende Juni dieses Jahres das Implantat erstmals einer Patientin eingesetzt. "Derzeit setzen wir Syntellix in Operationen am Fuß und stets unter kontrollierter Supervision ein", so Windhagen. Insgesamt wurden seitdem 26 Operationen vorgenommen.

Es müssten nun Erfahrungen gesammelt werden, heißt es. Die bisher operierten Patienten hätten mit keinerlei Komplikationen zu kämpfen gehabt, versichert Orthopäde Windhagen. Und es werde in Zukunft auch größere Schrauben geben - etwa für die Hüftchirurgie.

Genau wollte der Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Syntellix AG, Professor Utz Claassen, ehemals Vorstand des Energieriesen EnBW, die Entwicklungskosten für die neue Schraube nicht beziffern. Sie lägen "im siebenstelligen Bereich".

Der Preis einer einzelnen Schraube liege rund 25 Prozent über dem, was normalerweise für eine Titanschraube auszugeben ist.

Syntellix könnte die Schraube viel Geld einbringen: Rund drei Milliarden Euro schwer sei der Markt von bioabbaubaren Medizinprodukten, von dem die Schraube "einen nennenswerten Anteil" abdecke, so Claassen.

Der Einstieg in den orthopädischen Markt sei gelungen. Jetzt solle der Name seiner Firma synonym für chirurgische Schrauben werden, kündigt Syntellix-Eigner Claassen an: "Wir wollen in unserer Welt der Tesa-Film und die Nivea-Creme werden."

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