Kapital-Anlage

Konzerne auf Brautschau bescheren stolze Kursgewinne

Immer mehr Konzerne schließen sich zusammen oder kaufen kleinere Mitbewerber auf. Durch den Erwerb von Aktien potenzieller Übernahmekandidaten können Anleger stattliche Renditen erzielen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 17.01.2020, 11:32 Uhr
Konzerne auf Brautschau bescheren stolze Kursgewinne

Internationale Firmenzusammenschlüsse sind derzeit nicht zuletzt von den niedrigen Zinsen motiviert.

© drago77 / Getty Images / iStock

Neu-Isenburg. Der französische Autobauer Peugeot nimmt den italienisch-amerikanischen Mitbewerber Fiat-Chrysler unter seine Fittiche; die deutschen Gewerbeimmobilien-Unternehmen Aroundtown und TLG schmieden eine milliardenschwere Fusion, um den drittgrößten europäischen Betongoldkonzern mit Liegenschaften im Gesamtwert von 25 Milliarden Euro zu formen.

Der kanadische Bergbaukonzern Barrick Gold hat rund 18 Milliarden Euro für den südafrikanischen Konkurrenten Randgold gezahlt. Und auch in der Pharmabranche gehen mit Abbvies Allergan-Akquise (für 63 Milliarden Dollar) und Celgenes Wechsel zu Bristol Myers Squibb (74 Milliarden Dollar) gerade zwei Megafusionen über die Bühne.

Weltweit übernehmen immer mehr Unternehmen andere Branchenplayer oder schließen sich mit ihnen zusammen.

Kurssprünge beim Übernahmeziel

Insgesamt 3500 Milliarden Euro haben Konzerne weltweit 2019 ausgegeben, um Mitbewerber zu übernehmen oder sich mit ihnen zusammenzuschließen, so eine neue Studie des Londoner Wirtschaftsdaten-Analysehauses Refinitiv. In diesem Jahr dürfte das Volumen weiter steigen, denn viele Firmen verfügen über reichlich finanzielle Reserven oder wollen die niedrigen Zinsen nutzen, um durch Zukäufe zu wachsen.

Nach einer Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG erwägen insbesondere Pharmaunternehmen weitere Übernahmen im Gentherapie-Bereich. Denn es sei für sie günstiger, so an neue Medikamente zu gelangen, als selbst aufwändig zu forschen.

Zusammenschlüsse und Übernahmen – im englischen Börsenjargon Merger and Acquisitions, kurz M&A, genannt – „erweisen sich als Performancetreiber“, sagt Patrick Kümmel, Leiter Investment beim Vermögensmanager Lunis in Frankfurt am Main. Das treibt in der Regel die Aktienkurse des jeweiligen Juniorpartners bei diesen Deals deutlich in die Höhe.

„Große Unternehmen suchen nach kleineren Unternehmen, um ihr Portfolio zu ergänzen oder Synergiepotenziale zu heben. Dafür sind die großen Unternehmen bereit, Aufpreise auf den gegenwärtigen Börsenwert der übernommenen Firmen zu zahlen“, so Kümmel.

Aktienkurs kann sich mehr als verdoppeln

Dabei kann sich der Aktienkurs der übernommenen Gesellschaft sogar mehr als verdoppeln. „So zahlte der US-Biotech-Riese Gilead Science 2018 11,9 Milliarden Dollar für den kleinen Konkurrenten Kite Pharma“, sagt Thomas Hünicke, Geschäftsführer der Düsseldorfer Vermögensverwaltung WBS Hünicke. „Kite Pharma war bis dahin an der Börse mit nur etwas mehr als 2,3 Milliarden Dollar bewertet worden.“ Die Kite-Aktionäre fuhren damit 417 Prozent Gewinn ein.

Mitunter legen sogar die Börsenwerte beider Beteiligter zu. Beispiel dafür ist die Fusion Fiat-Chrysler mit Peugeot. Nach deren Bekanntgabe im Oktober vorigen Jahres ist die Aktie des italienisch-amerikanischen Fahrzeugherstellers in den folgenden vier Wochen um mehr als 30 Prozent gestiegen; die des französischen Partners legte im gleichen Zeitraum um 23 Prozent zu.

Um von Aufkäufen maximal profitieren zu können, müssen Anleger logischerweise bereits vor Bekanntgabe der Deals Aktien der übernommenen Unternehmen erwerben. Potenzielle Kandidaten zu finden, sei gar nicht so schwierig, meint Michael Thaler, Vorstand der Münchner Anlageberatung Top Vermögen.

„In Frage kommen Unternehmen, die über eine begehrenswerte Technologie verfügen und nicht zu allzu groß sind.“ Mehr als zehn Milliarden Euro sollte deren Börsenwert nicht betragen. Nur wenige, sehr große Konzerne seien in der Lage noch höhere Beträge zu stemmen.

Aktienkäufe beobachten

Zudem müsse die Aktionärsstruktur stimmen. „Es ist kaum vorstellbar, dass der Autoverleiher Sixt übernommen wird“, so Thaler. Denn die Gründerfamilie halte 60 Prozent der Aktien. „Ohne diesen Anteil der Familie kann niemand das Unternehmen übernehmen.“

Auf ihren Internet-Seiten geben Unternehmen im Bereich „Investor Relations“ Einblick in ihre Aktionärsstruktur. Bei potenziellen Übernahmekandidaten lohne es sich, regelmäßig auf diese Seiten zu schauen. Denn auf ihnen müssen alle Käufe größerer Aktienpakete gemeldet werden.

Anleger könnten so erkennen, „ob sich ein Investor an ein Übernahmeziel heranschleicht und eine substanzielle Beteiligung aufbaut“, sagt Thaler. „Aktuell finden sich solche Konstellationen bei deutschen börsennotierten Unternehmen wie Arubis, Kion, Klöckner, Pfeiffer und Vaccum.“

Mit weiteren Übernahmen sei auch bei Immobilienunternehmen zu rechnen. „An der Börse werden Branchenfirmen derzeit unter dem Nettovermögenswert ihrer Liegenschaften abzüglich ihrer Schulden gehandelt“, weiß Thomas Beyerle, Chefresearcher der Beratungsgesellschaft Catella.

Große Betongoldkonzerne könnten deshalb günstiger an weitere Immobilien gelangen, in dem sie kleinere Mitbewerber übernehmen und nicht Objekte einzeln am Markt kaufen.

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