Unternehmen

Krankenversicherer schließt Berufsgruppen aus

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KÖLN (hf/iss). Die Central geht in die Offensive: Weil Kunden aus bestimmten Berufsgruppen eine überdurchschnittlich schlechte Zahlungsmoral haben, will der Kölner Krankenversicherer sie nicht mehr versichern. Einzige Ausnahme ist der Basistarif, denn dort herrscht Annahmezwang.

Betroffen von der Regelung sind, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, folgende Berufsgruppen: Gastwirte, Kiosk- und Imbissbudenbesitzer, Subunternehmer, Fuhrunternehmer, die selbst fahren, Immobilienmakler ohne Mitarbeiter und Handelsvertreter im ersten Halbjahr ihrer Tätigkeit.

"Seit der Gesundheitsreform können wir nicht mehr kündigen, wenn der Versicherte die Beiträge nicht zahlt", begründet Central-Vorstand Friedrich Carl Schmitt die Negativliste. Für die Behandlung bei akuten Krankheiten müsse der Versicherer aber weiter aufkommen. Einen Widerspruch zum gesetzlich geregelten Diskriminierungsverbot sieht Schmitt nicht. "Hier handelt es sich um klar definierbare Risikotatbestände. Wir versichern auch keine Fußballprofis", sagt er.

In der PKV-Branche ist das Vorgehen umstritten. Nach Einschätzung von Roland Weber, Vorstand des Marktführers Debeka, spüre die Central jetzt die Konsequenzen der Strategie, viele Kunden über sehr günstige Policen zu gewinnen. "Wenn man Krankenversicherung quasi zum Nulltarif anbietet, darf man sich nicht wundern, dass man Kunden bekommt, die nicht zahlen können", sagt Weber. Die mit Alterungsrückstellungen kalkulierte private Krankenversicherung mit einem hohen Leistungsniveau sei für 100 Euro im Monat eben nicht zu haben. "Billigtarife passen nicht in die Welt der PKV."

Gernot Schlösser, Vorstandsvorsitzender der Axa Kranken, bewertet die Sache anders. "Die Überlegungen der Central sind nachvollziehbar." Die aufgelisteten Berufsgruppen machten vielen Unternehmen zu schaffen. "Im gesamten Markt besteht Handlungsbedarf", sagt Schlösser. Schließlich müsse die Versichertengemeinschaft die Belastung durch das Nichtzahlen von Beiträgen tragen. Der PKV-Verband will das Vorgehen des Kölner Versicherers nicht kommentieren. "Die Annahmerichtlinien werden unternehmensindividuell festgelegt und sind Teil der Kalkulation", sagt ein Sprecher.

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