Notruf

Leitfäden sollen Leben retten

Die Bremer Rettungsleitstelle der Feuerwehr hat den Test gemacht: Seit sie auf feste Gesprächsstandards setzt, hat sich der Zustand der Notfallpatienten erheblich verbessert. Ein Erfolgfaktor sind Reanimationen durch das Telefon.

Veröffentlicht: 25.10.2012, 17:31 Uhr
Leitfäden sollen Leben retten

Disponent in der Leitstelle: Gesprächsleitfäden helfen bei der Notrufaufnahme.

© Jochen Tack / imago

BREMEN (cben). Bei Notrufen hilft ein festgelegter Gesprächsleitfaden, Menschenleben zu retten.

Als eine der wenigen Leitstellen nutzt die Bremer Rettungsleitstelle der Feuerwehr bei Notrufen einen standardisierten Fragenkatalog, um von den Anrufern die lebenswichtigen Infos sofort zu erhalten und die Chancen für die Patienten zu vergrößern.

Das sagte Michael Richartz, Leiter der Bremer Feuerwehr- und Rettungsleitstelle, auf der "Akut" in Bremen, dem deutschen Forum für Notfallmedizin und Rettung.

Früher haben die Disponenten in der Leitstelle die fünf "W-Fragen" abgespult, Wer?, Was?, Wo? ..., um am Schluss zu sagen: "Bleiben Sie vor Ort, wir sind unterwegs!" - und schließlich aufzulegen.

Allerdings waren die oft panischen Anrufer dann mit der Situation alleine und mussten tatenlos abwarten. Ein Umstand, der für die hilflosen Anrufer oft tief greifende Folgen hat und sie noch Jahre lang verfolgt.

Heute bleiben die Disponenten am Telefon ("Der Rettungsdienst ist zu Ihnen unterwegs!", bis die Feuerwehr an der Tür klingelt.

Richartz: "Wir nutzen dabei Kommunikationstafeln, die wir von oben nach unten abarbeiten: Zum Beispiel fragen wir zuerst, ob der Patient atmet. Wird das verneint, leiten wir durch das Telefon eine Reanimation an."

Anstoß von den Krankenkassen

Schritt für Schritt erklären die Leitstellenmitarbeiter die stabile Seitenlage oder eine Herzdruckmassage - und zählen durchs Telefon mit.

Richartz: "Wir haben festgestellt, dass die Lage der Patienten immer dann schlechter ist, wenn wir vom Standard abweichen." Der Erfolg der Standards stellte sich schnell ein.

"Bis 2008 haben wir nicht eine einzige telefonische Reanimation gemacht, aber allein 2012 waren es 60 und seit 2010 insgesamt 260", sagt der Feuerwehrmann.

"Und von diesen 260 Patienten wurden 35 ohne neurologische Ausfallerscheinungen wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Insgesamt bescheinigen uns die Kliniken, dass unsere Patienten einen besseren Allgemeinzustand haben, wenn sie ins Krankenhaus kommen."

Den Fragenkatalog haben die Bremer zum Teil aus Harrislee übernommen, wo das Formular eigens entwickelt wurde. Der Anstoß, auch in Bremen über die Kommunikation am Notfalltelefon nachzudenken, kam schon 2007 von den Krankenkassen.

"Immerhin liegen zwischen einem Rettungswageneinsatz und dem eines Krankentransportes 220 Euro", so Richartz. Die Zahlen der Bremer Leitstelle zeigen, dass es um viel Geld geht.

Alle 19 Sekunden klingelt hier das Telefon. Die Disponenten führen an die 200.000 Notrufgespräche. Rund 56.000 Mal schickten sie 2011 die Retter der Stadt los.

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