Umfrage unter Hausärzten

Neuer EBM ein "Brandbeschleuniger"

Schlechtes Zeugnis für den Hausarzt-EBM: Eine nicht repräsentative Umfrage unter Hausärzten offenbart vor allem große Skepsis gegenüber den geplanten Änderungen. Die Initiatorin, selbst Hausärztin, wertet den neuen EBM als "Brandbeschleuniger".

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

HANNOVER. Sind die Kollegen auch so erbost über den neuen Hausarzt-EBM? Hausärztin Dr. Theresia Lautenschlager aus Hannover wollte es wissen und startete kurzerhand eine Umfrage unter rund 100 Hausarztpraxen in mehreren Bundesländern, vor allem in Niedersachsen und Hessen.

Aber auch einige Ärzte aus Bayern, Bremen oder NRW waren dabei. Die Ergebnisse zeigen große Skepsis der befragten Ärzte.

So erwarten fast alle (99,1 Prozent), dass es mit dem neuen EBM unmöglich sein wird, das Honorar zu kalkulieren, und einen hohen bürokratischen Aufwand (96, 3 Prozent). Nur 8,4 Prozent erwarten mehr Honorar.

Kein Ansporn für Berufswahl Hausarzt

Legt man die Erwartungen der Ärzte zugrunde, hätte es aus Gründen des Honorars, der Kalkulationssicherheit und des bürokratischen Aufwandes dieses EBM nicht bedurft, meint die Ärztin aus Hannover.

Null Prozent der Befragten glauben, dass der neue EBM angehende Ärzte ansporne, Hausarzt zu werden. "Ganz im Gegenteil" hätten viele Ärzte an den Rand des Fragebogens geschrieben, erklärt die Ärztin.

Ein solcher Schaden sei auch nicht durch teure Image-Kampagnen zu reparieren. "Für die Praxisinhaber ergibt sich eine weitere Konsequenz: Sie werden es noch schwerer haben, einen Nachfolger zu finden", so Lautenschlager.

"Ihr Praxiswert bei der Übergabe sinkt noch rapider. Dieser EBM wirkt wie ein Brandbeschleuniger."

Kritik: KBV handelt praxisfern

Und nur 1,9 Prozent der Befragten meinen, das geringere Honorar für die Versorgung jüngerer Patienten sei richtig. Die Entscheidung des neuen EBM zeige die "Praxisferne der "KBV-Galaxie".

Die dort handelnden Akteure träfen die Erfahrungen und die Interessen der Praxis-Ärzte nicht. "Sie kennen diese nicht einmal, weil sie uns, die wir täglich mit Patienten arbeiten, ja nicht nach unserer Meinung fragen. Hierin liegt eine Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht", so Lautenschlager.

Ähnlich pessimistisch zeigten sich die Ärzte bei der Frage, ob der neue EBM die Probleme der Land- und Stadt-Praxen in den alten und neuen Bundesländern löst. Nur zwischen null und elf Prozent beurteilten hier den neuen EBM als hilfreich.

Ärzte wollen im Vorfeld befragt werden

Die überwältigende Mehrheit der Befragten gab an, dass der neue EBM der Gemeinschaft der Hausärzte oder dem Hausärzteverband im Land und auf Bundesebene nicht genützt habe. Nur ein einziger Befragter glaubt, der neue EBM habe die Hausärzte gestärkt.

"Zur Erklärung seines Votums fügte er handschriftlich hinzu: "Solidarität der Unterdrückten", schreibt Lautenschlager. Ansonsten sei die Aufspaltung in typische und atypische Hausärzte kontraproduktiv.

96 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in Zukunft bereits im Vorfeld zu EBM-Änderungen oder vor Inkrafttreten befragt werden wollen.

"107 Arztpraxen haben sich an der Befragung beteiligt", so Lautenschlager, "das ist mehr als ich erwartet hatte." Es zeige "die Brisanz des Themas."

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