Kapitalanlage

Notenbanken befeuern wohl auch 2021 den Börsenboom

Milliardenschwere Interventionen der Zentralbanken an den Kapitalmärkten treiben Anleihe-Rendite ins Minus – und Investoren in Aktien. Experten erwarten weitere Kursgewinne im kommenden Jahr und raten Anlegern zu börsennotierten Indexfonds.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Mit dem richtigen Filter lassen sich Anleger auch an der Börse nicht von allem blenden, was nur äußerlich glänzt.

Mit dem richtigen Filter lassen sich Anleger auch an der Börse nicht von allem blenden, was nur äußerlich glänzt.

© Alexey Filatov / Stock.Adobe.com

Neu-Isenburg. Die Zusagen sind unmissverständlich: „Dauerhafte konjunkturelle Stützungen“, verspricht Christine Lagarde. Noch konkreter wird Jerome Powell: „Der Leitzins wird bis 2023 nicht angehoben.“

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Chef der Federal Reserve Bank in den USA haben jüngst deutlich gemacht, dass die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt die Wirtschaft in ihren Währungsräumen auch weiterhin mit geballter Macht unterstützen werden, wenn die Corona-Krise durch Impfstoffe im kommenden Jahr ein Ende finden dürfte.

Die Leitzinsen verharren damit weiterhin in der Eurozone und den USA bei null Prozent. Zudem werden die Zentralbanken weiterhin Monat für Monat für Milliardenbeträge Staatsanleihen kaufen, um die Regierungen liquide zu halten.

Allein die EZB will von Juni dieses Jahres bis Mitte nächsten Jahres Schuldverschreibungen der Mitgliedstaaten im Gesamtwert von 1.350 Milliarden Euro aufnehmen. Das drückt deren Renditen unter null Prozent.

Nur noch Anlagen in Realwerte attraktiv

Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten zu Beginn dieser Woche bei - 0,57 Prozent pro Jahr. Würden Anleger zu diesem Negativzinssatz Bundesfinanzminister Olaf Scholz heute für zehn Jahre 1000 Euro leihen, bekämen sie im Dezember 2030 nur 944,44 Euro zurück.

„Durch die Geldpolitik der Zentralbanken sind nur noch Anlagen in Realwerte attraktiv: Immobilien, edle Metalle – und Aktien“, sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Investmentgesellschaft Solvecon. „Aktien bleiben 2021 der Renditebringer im Portfolio“, schätzt Till Budelmann, Kapitalmarktexperte der Zürcher Privatbank Bergos Berenberg. Allein schon, weil die Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 „Schritt für Schritt zu einer Normalisierung in der Wirtschaft beitragen werden“.

„Lagarde und Powell kaufen in noch nie dagewesenem Ausmaß Staats- und Unternehmensanleihen auf“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. „Das lässt die Geldmenge deutlich steigen und zieht die Aktienkurse mit in die Höhe.“

Der Börsenboom, der auf den Einbruch an den Aktienmärkten zu Beginn der Corona-Pandemie folgte, dürfte deshalb noch lange anhalten.

Durch die Geldpolitik der Zentralbanken sind nur noch Anlagen in Realwerte attraktiv: Immobilien, edle Metalle – und Aktien.

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Investmentgesellschaft Solvecon

Dafür dürften auch die in Europa und Nordamerika beschlossenen Großprogramme zur Verbesserung der Infrastruktur sorgen – von der Einführung des neuen, deutlich leistungsfähigeren Mobilfunkstandards 5G über die Erneuerung von Schnellstraßen und Schienenverbindungen bis hin zur Digitalisierung von Schulen in Deutschland.

„Das wird sich wie ein Turbo auf die Erträge vieler Unternehmen auswirken“, sagt Albrech. „Die Gewinne gut aufgestellter Unternehmen in zukunftsfähigen Branchen werden deshalb nach der Corona-Pandemie dauerhaft höher ausfallen als zuvor.“

Bei ETF kommt es auf den Index an

Allerdings ist es für Anleger schwierig, herauszufiltern, welche börsennotierten Konzerne in den kommenden Jahren die höchsten Kurssteigerungen verzeichnen werden. Andreas Görler, Investmentstratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Wellinvest – Pruschke & Kalm, rät deshalb, das Kapital auf börsennotierte Indexfonds zu verteilen, die verschiedene Anlagesegmente abdecken. Diese Fonds, kurz ETF, bilden passiv einen Index nach.

Deshalb fallen nur minimale Verwaltungsgebühren an. Da ihre Anteile ausschließlich über die Börse gehandelt werden, entfällt zudem der bei aktiv gemanagten Fonds obligatorische Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent.

Chance-Risiko-Profil beachten

„Ein Viertel des Anlagebetrags sollte in den EuroStoxx 600 investiert werden“, sagt Görler. Dieser Index spiegelt die Kursentwicklung der 600 größten börsennotierten europäischen Konzerne wider.

Mindestens 20 Prozent sollten in den MSCI World All Countries fließen, in dem die Aktien der 2500 bedeutendsten Unternehmen aus allen Industrie- und Schwellenländern zusammengefasst sind. Zudem sollten mindestens 25 Prozent des Kapitals in einen Nachhaltigkeits-ETF investiert werden. Diese setzen auf Unternehmen, die umweltschonend produzieren.

„Diese Werte weisen ein günstigeres Chance-Risiko-Profil auf, da der Gewinn der Unternehmen in geringerem Umfang durch Gerichtsverfahren, Umweltschäden oder Reputationsrisiken gefährdet ist“, so Görler.

ETF ins Portfolio

Den letzten Posten im Portfolio sollte ein ETF auf den Europe-Small-Cap-Index bilden, der die Kursentwicklung von 944 kleinen Unternehmen in Europa nachbildet. Diese glänzen häufig mit überdurchschnittlichem Wachstum und entsprechend starken Kursgewinnen.

Seit 2010 wies der Index eine durchschnittliche jährliche Rendite von 9,13 Prozent auf. Angeboten werden ETF von Investmentgesellschaften wie BNP, HSBC, iShares, Lyxor oder Vanguard.

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