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Urteil

Patientinnen heimlich gefilmt – Arzt muss fünfeinhalb Jahre in Haft

Ein Orthopäde fertigte heimlich Tausende Fotos von seinen unbekleideten Patientinnen an. Dafür verhängte das Landgericht Osnabrück eine mehrjährige Haftstrafe.

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Das Landgericht am Neumarkt in Osnabrück.

Das Landgericht am Neumarkt in Osnabrück.

© David-Wolfgang Ebener/dpa

Osnabrück. Ein Orthopäde ist unter anderem wegen des heimlichen Fotografierens von Patientinnen und sexuellen Missbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Osnabrück verurteilte den 43-Jährigen außerdem zu einem lebenslangen Verbot, als Orthopäde weibliche Patienten zu behandeln. Er wurde auch der Herstellung kinder- und jugendpornografischen Materials schuldig gesprochen.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Arzt aus dem Landkreis Osnabrück seit 2018 heimlich mit einem Smartphone Patientinnen in seinem Behandlungszimmer gefilmt hat. Später sei er dazu übergegangen, seine Opfer - darunter auch ein Kind und mehrere Jugendliche - mit entblößtem Oberkörper und heruntergezogenen Slip von vorn heimlich zu fotografieren und sie dabei im Intimbereich zu berühren.

Keine medizinischen Gründe

Er habe den Patientinnen erklärt, dass es sich um medizinische Untersuchungen gehandelt habe - in Wahrheit habe es keine medizinischen Gründe gegeben, sagte die Vorsitzende Richterin Nadine Laatz-Petersohn. Mehr als 190 Fälle seien seit vergangenem Oktober von der Kammer bewertet worden, bei rund der Hälfte sei es zusätzlich zu den heimlichen Fotos auch zu den medizinisch nicht zu rechtfertigenden Berührungen im Intimbereich gekommen.

Die Kammer sei überzeugt, dass der Mediziner seinem voyeuristischen Trieb nachgehen wollte, führte Laatz-Petersohn aus. Diesen habe er eigenen Angaben zufolge bereits in der Pubertät verspürt. Während seines Studiums habe er heimlich Kommilitoninnen gefilmt. Als er nach seiner Facharztausbildung mit seiner Frau eine eigene Praxis geführt habe, habe er wegen der großen beruflichen Belastung immer häufiger seinem Trieb nachgegeben.

Einweisung in Psychiatrie erwogen

Dem Mediziner habe es Befriedigung gegeben, sich die heimlich angefertigten Aufnahmen im Nachhinein anzusehen und die aus seiner Sicht besten Fotos auszuwählen. Dabei sei die voyeuristische Neigung im Laufe der Zeit für ihn immer drängender geworden - und in einigen Fällen habe er auch keine Kontrolle mehr darüber gehabt, sagte die Richterin.

Die Kammer habe daher auch überlegt, ob nicht die Einweisung in eine psychiatrische Klinik in Betracht komme. Letztlich habe man ein Verbot der Behandlung weiblicher Patienten gewählt, weil der Angeklagte die voyeuristische Neigung nur bei Frauen habe. Unter den mehr als 9.000 Aufnahmen, die während des Prozesses gesichtet wurden, habe sich kein einziger Mann befunden.

Anzeige von Patientin

Die juristische Aufarbeitung war Ende 2021 durch die Anzeige einer Patientin ins Rollen gebracht worden. Diese hatte den Verdacht, dass sie gegen ihren Willen mit dem Handy gefilmt worden war. Anfang 2022 wurde die Praxis durchsucht. „Die Kammer ist überzeugt: Ohne Anzeige hätten Sie weitergemacht“, sagte die Richterin zum Angeklagten.

„Sie wollten Ihr Leben lang Arzt werden, wollten Menschen helfen, sie waren angesehen und geschätzt, die Patienten sind gerne zu Ihnen gekommen“, sagte die Richterin. Er habe für viele Patientinnen als ein „fantastischer Orthopäde“ gewirkt. Umso größer sei für die Betroffenen das Erschrecken gewesen, als sie im Zuge der Ermittlungen von den Tatvorwürfen hörten.

Vertrauen in Ärzte komplett verloren

„Die meisten haben mit Schock, Scham, Trauer und Fassungslosigkeit reagiert“, sagte Laatz-Petersohn. Einige Patientinnen hätten seitdem ihr Vertrauen in Ärzte komplett verloren, andere hätten als Folge auch im privaten Bereich Scheu vor intimen Berührungen aufgebaut. Immerhin habe die Kammer keine Hinweise, dass die Aufnahmen an Dritte gegangen seien.

Folgen habe das Ermittlungsverfahren auch für den Angeklagten gehabt. Er sei seit Anfang 2022 arbeitsunfähig und habe einen Suizidversuch unternommen, sei zeitweise in einer psychiatrischen Klinik gewesen. Seine Ehe sei gescheitert. Inzwischen lebe er alleine und werde psychiatrisch behandelt, sagte die Richterin. (dpa)

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