Der Konkrete Fall

Policen-Offerte je nach Zahlungsfluss

Der Versicherung Einblick in die eigenen Finanzen geben? Nicht jeder kann sich mit dieser Vorstellung auf Anhieb anfreunden.

Veröffentlicht: 04.09.2019, 08:12 Uhr

Frage: Mein Versicherer bietet an, meinen Versicherungsbedarf automatisiert zu analysieren. Dazu soll ich zustimmen, dass meine Bankkonto-Daten eingesehen und analysiert werden dürfen. Ist das sinnvoll?

Antwort: Versicherer und andere Finanzdienstleister bieten seit einigen Monaten die Analyse von Kontodaten an. Das soll Kunden helfen, ihren individuellen Spar- und Vorsorgebedarf einzuschätzen. Natürlich muss der Kunde dem Anbieter dafür die Erlaubnis erteilen. Möglich wurde die Kontoanalyse durch die 2018 eingeführte EU-Richtlinie PSD2 (Payment Services Directive2). Finanzdienstleister können sich als Kontoinformationsdienste lizenzieren lassen und stehen als solche unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der EU-Bankenaufsicht.

Die Kontodaten liefern den Finanzdienstleistern eine Menge Anhaltspunkte. Geht beispielsweise zum ersten Mal Kindergeld auf dem Konto des Kunden ein, oder wird die Anzahlung für das Eigenheim oder den Neuwagen abgebucht, sind das Hinweise, dass sich der Absicherungsbedarf ändert. Die Eltern möchten womöglich finanziell für die Kinder vorsorgen, sie müssen ihre Kfz-Versicherung anpassen oder eine Hausratversicherung abschließen.

Die Anbieter von Kontoanalysen beabsichtigen also, ihre Kunden im richtigen Moment mit den passenden Finanzdienstleistungen versorgen zu können. Als Kunde, der die Analyse in Anspruch nimmt, ersparen Sie sich damit den Aufwand, selbst Vorsorgelücken zu erkennen. Wenn Sie der Auswertung zustimmen, müssen Sie allerdings sehr sensible Finanzinformationen offenlegen. Die sogenannten Kontoinformationsdienste unterliegen allerdings strengen Regeln. Sie dürfen die Zahlungsdaten ihrer Kunden nicht für andere Zwecke verwenden, darauf zugreifen oder sie speichern. (age)

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