Weiterbildung

Praxisnah lernen - in der Belegklinik

Belegärzte in Bad Schwartau investieren seit den 1980ern eigenes Geld, um Weiterbildungsassistenten zu beschäftigen. Ein lohnendes Investment für beide Seiten, wie sich zeigt.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Der ärztliche Leiter Dr. Rainer Santelmann und Weiterbildungsassistentin Katja Freund bei der Fallbesprechung. Freund ist eine von neun Assistenten in der Belegklinik.

Der ärztliche Leiter Dr. Rainer Santelmann und Weiterbildungsassistentin Katja Freund bei der Fallbesprechung. Freund ist eine von neun Assistenten in der Belegklinik.

© Dirk Schnack

BAD SCHWARTAU. Weiterbildung ist im Belegkrankenhaus häufig nicht möglich. Das Helios Agnes Karll Krankenhaus in Bad Schwartau kann dies nur anbieten, weil sich die Belegärzte finanziell dafür engagieren - und damit schon vielen Hausärzten der Region Teile ihrer Weiterbildung ermöglichten.

Voraussetzung dafür ist eine Vereinbarung aus den 1980er Jahren, als das Haus in private Trägerschaft überging. Damals wurde fixiert, dass die Belegklinik rund um die Uhr eine ärztliche Präsenz vorhalten soll.

Die Belegärzte allein konnten die dauerhafte Anwesenheit nicht gewährleisten. Sie lösten das Problem über einen Pool von Weiterbildungsassistenten, der bis heute Bestand hat.

Inzwischen haben zahlreiche Ärzte Abschnitte ihrer Weiterbildungszeit dort absolviert. Allein 17 derzeit in Lübeck und Umgebung praktizierende Allgemeinmediziner haben sich nach Angaben des Ärztlichen Direktors Dr. Rainer Santelmann im Agnes Karll weitergebildet.

Zehn Weiterbildungsassistenten auf acht Vollzeitstellen bilden derzeit den Pool in Bad Schwartau. Meist bleiben sie für rund drei Jahre in der Belegklinik, bevor sie weitere Abschnitte in anderen Bereichen absolvieren.

Zu den derzeitigen Weiterbildungsassistentinnen gehört auch Katja Freund. Die angehende Internistin kam im Dezember 2011 in das Krankenhaus und hat sich inzwischen entschieden, in Teilzeit zu arbeiten und neben der Weiterbildung an ihrer Doktorarbeit zu schreiben.

"Wenige andere Krankenhäuser haben das so gut durchstrukturiert wie Bad Schwartau. Hier ist es attraktiv für Weiterbildungsassistenten, weil es ein kleines Haus ist. Es ist beispielsweise kein Problem, auch in Teilzeit zu arbeiten", sagt sie.

Die Hälfte lässt sich als Allgemeinmediziner nieder

Die Assistenten tragen zur reibungslosen Organisation bei. Wenn ein eingeteilter Dienst nicht eingehalten werden kann, kümmern sie sich selbst um Ersatz. Regelmäßig wird ein Assistentensprecher gewählt, der auch die Dienstpläne erstellt.

Der Kreis der Belegärzte ist mittlerweile auf 38 angewachsen, von denen rund 25 eine Weiterbildungsermächtigung besitzen. Insgesamt repräsentieren sie elf Fachgebiete, sodass die Assistenten die Möglichkeit haben, viele Bereiche kennen zu lernen.

Rein monetär betrachtet ist die Beschäftigung der Weiterbildungsassistenten für die Ärzte ein Zuschussgeschäft: rund 200.000 Euro der Gehaltskosten tragen die Belegärzte im Jahr selbst.

Die Kosten werden den Belegungstagen entsprechend aufgeschlüsselt und umgelegt. Außer einem Zuschuss der KV pro Belegungstag gibt es keine weitere Unterstützung.

Trotz des finanziellen Aufwands lässt Chefarzt Santelmann keinen Zweifel daran aufkommen, dass er froh ist über die jungen Kollegen. Den Anästhesisten freut besonders, dass rund die Hälfte der hier beschäftigten Weiterbildungsassistenten die hausärztliche Richtung einschlagen und sich anschließend als Allgemeinmediziner niederlassen.

Damit die Weiterbildungsabschnitte aus der allgemeinmedizinischen Praxis nahtlos anknüpfen können, gibt es Kooperationen mit zwei Praxen im Umland, in denen die Assistenten die entsprechenden Abschnitte absolvieren können.

Lernen durch interne Rotation und ambulante Patienten

Die Weiterbildung in Bad Schwartau weicht in einigen Punkten vom herkömmlichen Weg in anderen Krankenhäusern ab und bringt insbesondere angehenden Allgemeinmedizinern einige Vorteile.

So wechselt etwa das Tätigkeitsfeld der Assistenten zwischen dem Krankenhaus und der Praxis des Belegarztes. Die Weiterbildung in den einzelnen Fächern geschieht nicht in hoch spezialisierten Klinikabteilungen, sondern praxisnah auf dem Basisniveau des jeweiligen Fachgebietes.

Der Assistent lernt auf der unteren Ebene die breite Palette des gesamten Fachgebietes kennen, insbesondere durch die Mitbetreuung der ambulanten Patienten in der Praxis.

Die klinikinterne Rotation ermöglicht es, Weiterbildungsabschnitte in mehreren Gebieten zu absolvieren - was besonders Allgemeinmedizinern entgegen kommt.

Hinzu kommt, dass die Assistenten einen Teil der Notarztversorgung im Rettungsdienst Ostholstein übernehmen und über diese Tätigkeit auch lebensbedrohliche Notfallsituationen kennenlernen. In anderen kleinen Häusern ohne Intensivstation sind diese Erfahrungen oft nicht vermittelbar.

Die Weiterbildung in der Belegklinik hat sich in der Vergangenheit über Mund zu Mund-Propaganda unter den Assistenten herum gesprochen, sodass der Pool stets ausreichend mit Personal besetzt werden konnte.

Derzeit ist nach Auskunft von Geschäftsführer Michael Nowotny allerdings eine Stelle frei.

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