Direkt zum Inhaltsbereich

Selbstüberschätzung: Kein Entzug der Approbation

GELSENKIRCHEN (mwo). Bloße Selbstüberschätzung macht Ärzte nicht automatisch unzuverlässig.

Veröffentlicht:
Die Behauptung Risikogeburten auch "auf natürlichem Wege zu beherrschen" macht Ärzte noch nicht unzuverlässig, entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen.

Die Behauptung Risikogeburten auch "auf natürlichem Wege zu beherrschen" macht Ärzte noch nicht unzuverlässig, entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen.

© Iurii Sokolov / fotolia.com

Auf den Antrag einer Ärztin, die auch Hebamme ist, ordnete daher das Verwaltungsgericht (VG) Gelsenkirchen an, dass ihre Approbation bis auf Weiteres nicht ruht. Sie ist seit 30 Jahren als Hebamme tätig und seit über 25 Jahren als Ärztin zugelassen.

Vor dem Landgericht Dortmund wurde 2011 gegen sie Anklage wegen Totschlags erhoben. Ihr wird vorgeworfen, einer "natürlichen Geburt" zu hohes grundsätzliches Gewicht einzuräumen. Dadurch soll sie 2008 "bedingt vorsätzlich" den Tod eines Kindes in Kauf genommen haben.

Das Regierungspräsidium Arnsberg ordnete das Ruhen der Approbation an. Dagegen wandte sich die Ärztin und hatte zunächst im Eilverfahren Erfolg. Nach dem Beschluss kann sie zumindest so lange als Ärztin weiterarbeiten, bis das VG im Hauptverfahren entschieden hat.

Zur Begründung betonte das Gericht, der Fall sei in der 25-jährigen Tätigkeit der Ärztin einmalig. Konkrete Gefahren für weitere Patienten seien daher nicht ersichtlich.

Unbedingter Elternwille?

Der Vorwurf, die Ärztin habe den Tod eines Kindes in Kauf genommen, weil sie "um jeden Preis" einer Hausgeburt und einem "natürlichen Geburtsvorgang" den Vorzug gebe und Eingriffe in den Geburtsvorgang prinzipiell ablehne, sei zumindest bislang nicht belegt.

Im Streitfall habe sie vorgetragen, die Hausgeburt habe "dem unbedingten Elternwillen entsprochen".

Es gebe lediglich Anhaltspunkte, dass die Ärztin meine, auch Risikogeburten "auf natürlichem Wege zu beherrschen". Eine solche "bloße Selbstüberschätzung des eigenen Könnens" begründe aber noch nicht ohne Weiteres die Unzuverlässigkeit der Ärztin.

Sollte "eine Fehleinstellung zu ihren beruflichen Pflichten" vorgelegen haben, so sei zu erwarten, dass die Ärztin schon "unter dem Druck der laufenden Verfahren" nicht daran festhalte, so das Verwaltungsgericht zur Begründung.

Az.: 7 L 11/12

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt

Aufnahme ins Wählerverzeichnis zur Kammerversammlung: Nicht per Eilantrag

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

© Pixelrohkost / stock.adobe.com

Arztinformation – Hilfe für Patientinnen in den Wechseljahren

Den Herausforderungen mit Hopfenextrakt begegnen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Procter & Gamble Health Germany GmbH, Schwalbach am Taunus
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt

Lesetipps
Harnwegsinfekt bei einem Mann

© anut21ng Stock / stock.adobe.com

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?