Immobilien

Sicherer Hafen in stürmischen Zeiten

Immobilienaktien sowie Eigentumswohnungen und Ferienappartements sind bei Anlegern gefragt, weil sie Schutz vor den Turbulenzen an den Kapitalmärkten bieten. Die niedrigen Zinsen erleichtern zudem die Finanzierung.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 08.06.2019, 09:00 Uhr
Gewohnt wird immer: Mit Mieteinnahmen lässt sich auch in kriselnden Zeiten rechnen.

Gewohnt wird immer: Mit Mieteinnahmen lässt sich auch in kriselnden Zeiten rechnen.

© djama / Fotolia

NEU-ISENBURG. Weltweit war an den Börsen in den vergangenen Monaten eine interessante Entwicklung zu beobachten: Immer, wenn US-Präsident Donald Trump in den Handelskonflikten mit China oder Europa seine Rhetorik verschärfte, brachen die Aktienkurse auf breiter Front ein – mit einer Ausnahme: Notierungen der Papiere von Immobilienunternehmen legten gegen den Trend zu.

Während der deutsche Leitindex Dax in den vergangenen zwölf Monaten rund sechs Prozent verlor und der breite US-Index S&P 500 gerade einmal knapp vier Prozent gewann, stiegen die Kurse börsennotierter Wohnungsgesellschaften wie LEG Immobilien und Vonovia um jeweils mehr als 20 Prozent.

„Immobilienaktien werden von Investoren als sicherer Hafen gesehen, weil sie auch in Krisenzeiten Mieteinnahmen generieren“, sagt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum.

Gute Renditen, niedrige Zinsen

Die Gewinne der Immobilienunternehmen hingen nicht vom Im- oder Export ab, so Calvin Schnure, Chefökonom des US-Immobilienaktienverbands NAREIT. „Das schützt sie vor den Risiken der internationalen Handelskonflikte.“

Doch nicht nur mit Aktien von Immobiliengesellschaften können sich Anleger gegen Börsenturbulenzen absichern. Auch mit dem Kauf von vermieteten Eigentumswohnungen, Ferienimmobilien oder Mehrfamilienhäusern als Kapitalanlage lassen sich langfristig solide Erträge erzielen.

Zwar steigen in Deutschlands Großstädten seit gut zehn Jahren die Wohnungsmieten und Immobilienpreise. Doch ein Ende des Aufwärtstrends sei nicht in Sicht, sagt Stefan Mitropoulos, Immobilienanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „In den Ballungszentren übersteigt weiterhin die Nachfrage das Angebot, weil Jahr für Jahr mehr Menschen in die Großstädte ziehen, als dort neue Wohnungen geschaffen werden.“

Der hiesige Ferienimmobilienmarkt profitiert davon, dass mehr Deutsche wegen Terroranschlägen und politischen Turbulenzen in anderen Ländern die kostbarsten Tage des Jahres im eigenen Land verbringen. Als Folge haben etwa die Preise von Urlaubsappartements und Ferienhäusern zugelegt.

„Auf den Nordfriesischen Inseln Amrum, Föhr und Sylt haben Immobilien von April 2018 bis Ende März 2019 im Schnitt 7,8 Prozent an Wert gewonnen“, sagt Hanno Heintzenberg, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Immobiliendienstleisters McMakler. „Auf Rügen sind die Preise um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.“

Weil Urlauber bereit sind, immer höhere Preise zu zahlen, lassen sich mit der Vermietung von deutschen Ferienimmobilien aber weiterhin Jahresnettorenditen von durchschnittlich 3,7 Prozent erzielen, zeigt eine neue Studie des Ferienwohnungsvermittlers FeWo-Direkt.

Die Nettorendite ergibt sich aus jährlichen Mieteinnahmen abzüglich der Kosten für Finanzierung, Instandhaltung und Steuern. Der ermittelte Betrag wird anschließend geteilt durch ein Prozent des Kaufpreises.

Mit Vermietung von Eigentumswohnungen in Großstädten kommen Anleger derzeit je nach Lage des Objekts auf Nettorenditen zwischen zwei und 3,5 Prozent; bei Mehrfamilienhäusern sind es drei bis 4,5 Prozent. Was Immobilien zudem als Kapitalanlage interessant macht, sind niedrige Hypothekenzinsen.

Nach Berechnungen der FMH Finanzberatung Max Herbst, Frankfurt am Main, sind die Kosten für Immobilienfinanzierungen zuletzt wieder deutlich gesunken. Lagen die durchschnittlichen Zinsen für Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit Anfang 2018 noch bei 1,5 Prozent, sind es nun nur noch 1,04 Prozent. Bei Krediten mit fünfjähriger Laufzeit schrumpfte der durchschnittliche Zinssatz in dieser Zeit von 1,25 auf aktuell 0,82 Prozent.

Laufzeitenstopp vor Renteneintritt

„Da die Europäische Zentralbank die für dieses Jahr erwartete Zinswende wegen der schwachen Konjunktur abgeblasen hat, sind Immobilienfinanzierungen wieder günstiger geworden“, sagt Helaba-Analyst Mitropoulos. Denn Investoren stürzen sich wieder auf Pfandbriefe, so dass Banken ihre Immobilienkredite günstiger refinanzieren. Die Geldinstitute reichen diesen Vorteil wegen des harten Wettbewerbs an ihre Kunden weiter.

Trotz günstiger Zinsen sollten Anleger beim Immobilienkauf genau kalkulieren, rät Frank Wieser, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensverwalters PMP. Insbesondere ältere Ärzte, die eine Immobilie beispielsweise als Kapitalanlage erwerben wollen, sollten Acht darauf geben, dass der Kredit durch Mieteinnahmen und etwaige persönliche Zuschüsse aus dem laufenden Einkommen spätestens bis zum Beginn des Eintritts ins Rentenalter abgezahlt ist.

„Finanzierungslaufzeiten ins Pensionsalter hinein sollten unbedingt vermieden werden, weil der Käufer dann ein deutliches geringes Einkommen aus der Rente haben wird“, sagt dazu Wieser.

Zudem sollten Erwerber auf das Umfeld der Immobilie achten, rät Ökonom Vornholz. „Wohnungen lassen sich leicht vermieten, wenn es in direkter Nachbarschaft Kindergärten, Schulen, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und einen Bus- oder S-Bahnanschluss gibt.“

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