Arzt und Patient

So klappt es mit der Therapietreue

Therapietreue Patienten könnten in jeder Praxis Standard sein. Warum das vielerorts nicht gelingt, hat eine Studie aufgedeckt. Ein Praxisberater erklärt, worauf es ankommt.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Werden Patienten ausführlich über das Therapieschema aufgeklärt, steigert das meist auch die Adhärenz.

Werden Patienten ausführlich über das Therapieschema aufgeklärt, steigert das meist auch die Adhärenz.

© Klaus Rose

KÖLN. Wenn Hausärzte auf die Stärkung der Therapietreue und der Eigenverantwortung setzen, profitieren davon nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte selbst.

In vielen Praxen scheitert die Umsetzung eines solchen Konzepts allerdings an Mängeln in der Praxisorganisation und der Kommunikation mit den Patienten.

Das zeigt eine Analyse des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) in den Praxen von 126 Hausärzten.

Flexibles Zeitmanagement nötig

Diese Ärzte hatten in einer früheren Untersuchung des Instituts angegeben, dass sie gern adhärenz-orientiert arbeiten würden, das Prinzip im Praxisalltag aber nicht umsetzen könnten. Dafür wollte das IFABS die Gründe herausfinden.

Ein wesentliches Hindernis für die Realisierung eines Adhärenz-Konzepts liege in der Praxisorganisation, sagt IFABS-Leiter Klaus-Dieter Thill. "Die meisten Praxen arbeiten mit durchschnittlichen Zeiten und variieren nicht."

Zudem fehlten häufig Pufferzeiten, Patienten würden dazwischengeschoben. Wenn Ärzte gemeinsam mit den Patienten Therapieziele erarbeiten wollen, setze das aber ein flexibles Zeitmanagement voraus.

"Für die beiden ersten Patientenkontakte benötigt der Arzt mehr Zeit als sonst." Danach würden sich die Dauer, der Aufwand und die Häufigkeit der Kontakte verringern. Das müsse in der Praxisorganisation berücksichtigt werden.

Verständlich erklären

Therapietreue lässt sich bei den Patienten meistens nur dann erreichen, wenn die Patienten verstehen, was der Arzt macht und was sie selbst tun müssen.

Das ist aber offenbar nicht immer der Fall, wie die Erhebung zeigt. Das IFABS hatte in den 126 Praxen die Patienten zur Zufriedenheit mit der ärztlichen Aufklärung befragt.

"Nach Angaben der Patienten waren die meisten Ärzte nicht in der Lage, ihnen medizinische Sachverhalte oder die Wirkzusammenhänge verständlich zu erklären", berichtet Thill.

Als Folge holen sich viele die Informationen woanders - damit wiederum muss sich der Arzt dann beim nächsten Gespräch auseinander setzen.

Adhärenz-Ansatz ist zukunftssicher

Vor allem an diesen beiden Punkten müssen die Ärzte ansetzen, wenn sie der Adhärenz in ihren Praxen einen größeren Stellenwert einräumen wollen, sagt Thill. Der Aufwand dafür halte sich in Grenzen, lohne sich aber auf jeden Fall.

Er sieht mehrere Vorteile eines adhärenz-zentrierten Praxismanagements: Es führt zu besseren Therapie-Ergebnissen und zufriedeneren Patienten. Dadurch erhöht sich die Weiterempfehlungsbereitschaft der Patienten, die Praxis wird bekannter und zieht neue Kunden an.

Durch den langfristig geringeren Zeitaufwand für die gezielt betreuten Patienten erhält der Arzt zusätzliche Handlungsspielräume, so Thill.

Außerdem sei der Adhärenz-Ansatz zukunftssicher. "Er entspricht nicht nur dem Trend der Patientenerwartungen, sondern wird auch von den Krankenkassen verfolgt und gefördert."

Natürlich passe das Konzept nicht für alle Patienten, betont der Praxisberater. "Wer viele jüngere Patienten hat, wird automatisch mit dem Thema konfrontiert."

Ältere Patienten sähen sich dagegen seltener als gleichberechtigte Partner des Arztes. "Bei allgemeinmedizinischen Praxen ist das Konzept bestimmt für die Hälfte der Patienten geeignet."

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