Digitalisierung und IT

Stehen Biopharmazeutika am Scheitelpunkt?

Mehr als jede vierte neue Arznei in Deutschland ist ein Biopharmazeutikum. Selbst im Krisenjahr 2009 verzeichnete die Branche Zuwächse. Die jüngsten Arznei-Sparbeschlüsse könnten allerdings Gegenwind bringen.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht: 15.10.2010, 05:00 Uhr
Stehen Biopharmazeutika am Scheitelpunkt?

An Biopharmazeutika wird intensiv geforscht. Die Rahmenbedingungen verschärfen sich aber.

© Schäfer / fotolia.com

MÜNCHEN. Die medizinische Biotechnologie hat sich in der Wirt-schaftskrise gut behauptet. In den nächsten Jahren muss sich die Bran-che jedoch auf Stagnation und Um-satzrückgänge einstellen.

Im Krisenjahr 2009 habe sich der Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent auf knapp 4,7 Milliarden Euro erhöht, berichtete Dr. Axel Heinemann, Senior Partner und Managing Director der Boston Consulting Group, bei einer Fachtagung in München. Von den 44 im Jahr 2009 neu zugelassenen Arznei-mitteln waren zwölf Biopharmazeutika.

Insgesamt 468 Biopharmazeutika befanden sich in der klinischen Entwicklung oder im Zulassungsverfahren. Das waren zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete Hei-nemann auf der gemeinsamen Tagung von vfa bio, der Interessengruppe für Biotechnologie im Ver-band der forschenden Pharmaunternehmen vfa, und der Bayern Innovativ.

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung gerate die medizinische Bio-technologie hierzulande zunehmend in "raue See". Schon jetzt sei erkennbar, dass sich die Dauer klinischer Studien in den vergangenen zehn Jahren von sechs auf zwölf Jahre verdoppelt habe, während sich die Erfolgsquote auf zehn Prozent halbiert habe. Die wirtschaftliche Attraktivität der Biopharmazie lasse allmählich nach.

Hinzu komme, dass die Branche zunehmend durch politische Maßnahmen wie Einsparungen bei pa-tentgeschützten Arzneimitteln, erhöhte Zwangsrabatte und künftige Preisrabattverhandlungen bedroht werde. Eine Trendwende sei nicht in Sicht, erklärte Heinemann.

Auf diese Entwicklung sollten die Biotech-Unternehmen mit neuen Geschäfts- und Vertriebsmodellen reagieren, empfahl Heinemann. Künftig gehe es nicht mehr allein darum, Wirkstoffe zu verkaufen. Entscheidend werde sein, wie die Arzneimittel in eine Gesamtlösung für das jeweilige gesundheitliche Problem integriert werden. "Die Innovationsfähigkeit der Life Science Unternehmen ist noch längst nicht ausgeschöpft", sagte Heinemann.

Rund zwei Drittel aller Biopharmazeutika seien auch oder sogar ausschließlich für Kinder zugelassen, berichtete Dr. Frank Mathias, Vorsit-zender von vfa bio. Dazu gehörten gentechnisch hergestellte Wachstumshormone, Insuline oder Enzymersatztherapeutika gegen Erbkrankheiten.

In der Entwicklung seien Impfstoffe für Kinder gegen Hirnhautentzündung sowie Medikamente zur Vorbeugung von Diabetes. Dazu brauche die Industrie jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und eine Politik, die Innovationen nicht behindere, erklärte Mathias.

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