Karriere als Ärztin

"Stellen Sie Forderungen!"

Wer als Ärztin Karriere machen will, sollte auf Familie verzichten - oder doch nicht? Wege aus der Krise diskutierten Ärztinnen auf dem Forum "Chances".

Von Pete Smith Veröffentlicht:
DGIM-Präsidentin Märker-Hermann.

DGIM-Präsidentin Märker-Hermann.

© Sven Bratulic

WIESBADEN. 70 Prozent der Medizinstudierenden sind weiblich, aber nur 44 Prozent der Ärztinnen sind berufstätig, 26 Prozent schaffen es in Führungspositionen und nur fünf Prozent in das Ordinariat einer Hochschule.

Auch in der Medizin sind Frauen noch immer benachteiligt, wie Esther Wieland, Moderatorin der Podiumsdiskussion "Frauen in der Medizin" beim Forum "Chances" für junge Mediziner des diesjährigen Internistenkongresses in Wiesbaden, zu Beginn der Veranstaltung anhand von Statistiken illustrierte.

Das sei quer durch alle Bereiche spürbar, auch in Wiesbaden. Denn mit Professor Elisabeth Märker-Hermann leite erstmals seit 119 Jahren eine Frau den Internistenkongress, "dabei sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein", sagte Esther Wieland, selbst Ärztin, dreifache Mutter und Geschäftsführerin von Springer Medizin.

Der derzeitige Ärztemangel berge für junge Kolleginnen große Chancen, die eigene Karriereplanung voranzutreiben, sagte Dr. Regine Rapp-Engel, Präsidentin des Ärztinnenbundes und appellierte an die Frauen im Publikum: "Stellen Sie Forderungen, wenn Sie an eine Klinik gehen! Damit bringen Sie die Klinikchefs in Zugzwang."

Dieser Forderung schloss sich Dr. Ulrike Bechtel, zweifache Mutter und Chefärztin an der Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen, an. Sie habe in ihrer Abteilung zwei Oberärztinnen zu je 60 Prozent in Teilzeit angestellt. "Das läuft extrem gut. Ich profitiere von jeder mehr als 60 Prozent. Eine ist immer da. Und beide fühlen sich wertgeschätzt."

"Jetzt ist Schluss!"

Hilfe finden junge Ärztinnen durch Mentoringprogramme, wie sie zum Beispiel der Ärztinnenbund und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin anbieten.

Dr. Bimba Hoyer von der Charité hat von spezieller Frauenförderung profitiert und konstatierte auf dem Forum: "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch weit von einer Optimal-Situation entfernt."

Auch Pascal Nohl-Deryk von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland lobte entsprechende Änderungen der Rahmenbedingungen für Ärztinnen, forderte aber gleichzeitig, etwa die medizinischen Curricula flexibler zu gestalten und die Horte an den Universitäten auszubauen.

Die Diskriminierung von Ärztinnen im Beruf zeigt sich auch an den Gehältern, vor allem bei den verhandelbaren Entgelten.

Das führe dazu, dass vor allem Frauen in Führungspositionen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen durchschnittlich 2000 Euro pro Jahr weniger verdienten, so Esther Wieland. Ulrike Bechtel forderte junge Kolleginnen auf, sich nicht unter Wert zu verkaufen.

Braucht es eine Quote, um mehr Ärztinnen in Führungspositionen zu bringen? Ja, sagte Regine Rapp-Engel, deren Ärztinnenbund die Initiative "Pro Quote" unterstützt. "Viele von uns waren lange dagegen, aber als sich über Jahre nichts bewegte, haben wir gesagt: Jetzt ist Schluss!"

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