Direkt zum Inhaltsbereich

Approbation widerrufen

Arzt wegen versuchter Abruptio gegen Willen der Frau verurteilt

Der Verwaltungsgerichtshof München bestätigt Widerruf der Approbation eines Arztes, der unter Hypnose einen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt hat.

Veröffentlicht:
Der VGH billigte den Widerruf der Approbation und lehnte die Berufungszulassung ab.

Der VGH billigte den Widerruf der Approbation und lehnte die Berufungszulassung ab.

© Udo Herrmann / CHROMORANGE / picture alliance

München. Ein Arzt ist bei einem unter Hypnose und gegen den Willen einer Frau durchgeführten Schwangerschaftsabbruch unwürdig zur Ausübung des ärztlichen Berufs. Der Widerruf der Approbation ist in solch einem Fall „zwingend“ vorgesehen, entschied der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH). Nur weil der Arzt sich bereits im fortgeschrittenen Alter befindet, könne er deshalb nicht die Wiedererteilung seiner Approbation verlangen, so die Münchener Richter.

Geklagt hatte ein niedergelassener Allgemeinarzt aus Oberbayern, der 2014 eine Patientin wegen eines vermuteten Burnouts unter anderem mit einer Hypnosetherapie behandelt hatte. Zwischen ihm und der Frau entwickelte sich eine Liebesbeziehung. Als die Frau ihm im Mai 2016 mitteilte, dass bei ihr die Monatsblutung ausgeblieben war, fürchtete der Allgemeinmediziner eine Schwangerschaft. Um eine mögliche Vaterschaft zu vermeiden, gab er der Geliebten vor, ihr unter Hypnose ein Magnesiumpulver gegen ihre Verspannungen verabreichen zu wollen. Tatsächlich handelte es sich um das Abtreibungsmittel Cytotec. Die ahnungslose Frau erlitt starke Unterleibsschmerzen und eine Blutung. Ob sie schwanger war, blieb ungeklärt.

Kläger hat gegen Berufsordnung verstoßen

Das Amtsgericht Weilheim verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Schwangerschaftsabbruch zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe. Die Regierung von Oberbayerin widerrief die Approbation. Das Verwaltungsgericht München bestätigte diese Entscheidung. Der Arzt beantragte beim VGH die Zulassung zur Berufung. Er berief sich auf seine Berufsfreiheit, so dass allenfalls eine „vorübergehende“ Sanktion verhältnismäßig sei. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters müsse ihm die Chance für einen Neuanfang gegeben werden. Andernfalls würde dies einem Berufsverbot gleichkommen.

Der VGH billigte den Widerruf der Approbation und lehnte die Berufungszulassung ab. Bei einem schwerwiegenden Fehlverhalten wie hier sehe die Bundesärzteordnung „zwingend“ wegen Unwürdigkeit den Widerruf der Approbation vor. Wann diese wieder erteilt werden könne, hänge vom Einzelfall ab. Hier habe der Kläger gegen die Berufsordnung für die Ärzte Bayerns verstoßen. Diese verpflichte ihn, sein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten einzusetzen und das ungeborene Leben zu erhalten. Er habe planvoll das Vertrauen der Geschädigten ausgenutzt, um gegen ihren Willen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu können. Dies sei „mit dem Bild des helfenden und heilenden Arztes gänzlich unvereinbar“, so der VGH. (fl)

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Az.: 21 ZB 20.2575

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist