WidO-Studie

Wie kommt das Wissen in die Praxis?

Hausärzte zapfen alle Quellen an, um sich auf dem neuesten Stand zu halten. Das WIdO hat das Informationsverhalten der Ärzte genauer abgefragt.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

BERLIN. Der Wissenstransfer in die Arztpraxis ist ein heiß diskutiertes Thema. Gerade hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das unter anderem regelt, dass über Zusatzmodule in den Praxisverwaltungssystemen künftig den Ärzten Informationen zur frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln überspielt werden sollen.

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Wie informieren sich Ärzte ansonsten über Neues aus Medizin und Pharmakologie? Das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen und Cochrane Deutschland haben für den aktuellen WIdO-Monitor mehr als 1003 Hausärzte befragt. Ergebnis: Fortbildungen stehen bei den Hausärzten an erster Stelle (siehe Grafik). Leitlinien sind zwar gut angesehen, wurden aber von den befragten Ärzten im halben Jahr vor der Umfrage Ende 2016 nur von gut einem Drittel intensiv genutzt. Deutschsprachige Fachpublikationen stehen hoch im Kurs.

Englischsprachige Fachliteratur hat laut dem Fazit der Monitor-Autoren nur "eine geringe Chance, von den Hausärzten rezipiert zu werden". Angesichts des rasanten Wissenszuwachses empfehlen sie daher die Einrichtung einer nationalen digitalen Gesundheitsbibliothek mit Schnittstellen zur Praxissoftware, um Hausärzten praxistaugliche unabhängige Informationen zu Diagnostik und Therapie anzubieten.

Interessen: Zu fast 100 Prozent (96,5 Prozent) sind die Hausärzte an "Angaben zu Nutzen und Risiken einer medizinischen Maßnahme" interessiert, hat die Umfrage ergeben. "Angaben zur Verfügbarkeit und der Kosten von medizinischen Maßnahmen" stehen mit gut 80 Prozent an zweiter Stelle des Interessensrankings. Immerhin zwei Drittel der befragten Ärzte wollen "Transparenz über mögliche Interessenskonflikte" der Autoren von Fachartikeln.

Fortbildung: Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, nutzen Hausärzte in erster Linie ärztliche Fortbildungen. Ärzte mit wenig Berufserfahrung besuchen solche Veranstaltungen häufiger als ältere Kollegen. Fortbildungs- und Vortragsveranstaltungen sind im Jahr 2015 mit 119 Millionen Euro von der Industrie unterstützt worden, wie die 54 Mitgliedsunternehmen des Vereins "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie" offen gelegt haben. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hat für gesponsorte Fortbildungen Regeln erstellt, um Beeinflussungen zu minimieren.

Qualitätszirkel/kollegialer Austausch: Ärzte jünger als 40 Jahre mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung nutzen den kollegialen Austausch mit knapp 60 Prozent signifikant häufiger als Ärzte über 60 Jahre (gut 40 Prozent). Angestellte Ärzte wiederum suchen das Kollegengespräch häufiger als die Selbstständigen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung beziffert die Zahl der Teilnehmer an ärztlichen Qualitätszirkeln auf 61.000.

Leitlinien: Als "erstaunlich selten" bezeichnen die Autoren des Monitors den Grad der Nutzung von Leitlinien. In den sechs Monaten vor der Umfrage hatten nur gut ein Drittel der befragten Hausärzte Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften intensiv genutzt. Weniger als ein Drittel (28,6 Prozent) der Ärzte beschäftigte sich in diesem Zeitraum mit der Nationalen Versorgungsleitlinie, immerhin die "systematische Entscheidungshilfe über die angemessene ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen im Rahmen der strukturierten medizinischen Versorgung". Auch hier gilt: Jüngere Ärzte mit weniger Berufserfahrung riskieren häufiger einen Blick in die Leitlinien als ältere.

Publikationen: Zwei Drittel der Hausärzte beschäftigt sich mit deutschsprachigen Fachpublikationen. Mehr Berufserfahrung führt ausweislich der WIdO-Umfrage zu einer positiveren Wahrnehmung der Inhalte. Ältere Hausärzte nutzen zudem mehr unterschiedliche Titel als Berufsanfänger. Ältere nutzen daher auch Publikumsmedien, um vorbereitet zu sein, wenn Patienten sie auf die Berichterstattung zu neuen Therapieangeboten ansprechen. Medienberichte können der Umfrage zufolge sogar Recherchen auslösen, in deren Folge ein Arzt seine Praxisroutine ändert.

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