BÄK-Dialogforum junge Ärztinnen und Ärzte
Wie wird die Kammerarbeit für junge Ärzte wieder attraktiv?
Geht den Ärztekammern der Nachwuchs aus? Noch nicht – aber die Kammern müssen aktiv werden, um junge Kolleginnen und Kollegen wieder stärker für die Selbstverwaltung zu gewinnen. Wie das gelingen kann, wurde im Rahmen des Ärztetags diskutiert.
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Die Diskussionsrunde mit jungen Ärztinnen und Ärzten im Vorfeld des Deutschen Ärztetages hat Tradition. Dieses Jahr ging es um die Kammern selbst: „Einfach machen. Selbstverwaltung der Zukunft“ lautete das Motto in Hannover.
© Rebekka Höhl
Hannover. Selbstverwaltung? Für viele junge Ärztinnen und Ärzte klingt das abstrakt und vor allem nach verkrusteten Strukturen. Dabei wünschen sich die Kammern mehr engagierte junge Kolleginnen und Kollegen in ihren Reihen, um tatsächlich den Bedürfnissen der nächsten Ärztegeneration in der Ausgestaltung von Berufsrecht und Weiterbildung besser gerecht werden zu können.
„Die Selbstverwaltung ist das Herzstück unserer Arbeit“, sagte Theresa Buuck beim Dialogforum der Bundesärztekammer mit jungen Ärztinnen und Ärzten im Vorfeld des 130. Deutschen Ärztetags in Hannover. Denn sie gestatte es, aus der Versorgung heraus mit medizinischem Sachverstand und ethischem Anspruch die ärztliche Berufsausübung und ärztliche Belange zu gestalten.
Junge Ärzte wünschen sich echte Mitsprache
Buuck ist selbst Vorsitzende des Ausschusses für junge Ärztinnen und Ärzte der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. Dass nach wie vor eher wenige junge Kollegen in den Kammern aktiv sind, liegt ihrer Ansicht nach nicht an fehlendem Interesse, sondern eher an fehlender Ansprache durch die Kammern, Intransparenz und dem Gefühl, eben doch nicht mitsprechen zu können. „Sichtbarkeit ist gut“, provozierte sie daher etwas, „Mitsprache ist viel besser.“ Junge Ärzte müssten wirklich die Chance bekommen, Einfluss zu nehmen.
Andrej Weissenberger, der gerade seine Facharztweiterbildung in der Pädiatrie in Solingen macht und bei der Kammer Nordrhein aktiv ist, stieß ins gleiche Horn: „Geben Sie uns den Vertrauensvorschuss, lassen Sie uns einmal Dinge ausprobieren, auch wenn sie nicht dem 30 Jahre alten Protokoll entsprechen.“
Hybride Sitzungen und schnellere Staffelstab-Übergabe
Generell sei ein Kulturwandel in den Kammern notwendig:
- Die Zukunft müsse hybrid sein, das betreffe Arbeitssitzungen sowie die Möglichkeit asynchroner Abstimmungen. „Es muss möglich sein, Sitzungen abends oder vielleicht auch einmal während des Dienstes beizuwohnen“, sagte er. Bei den dichten Arbeitszeiten sei es wichtig, Kammerengagement niedrigschwellig integrieren zu können. Denn, so eine junge Ärztin aus dem Auditorium: Längst nicht jede Chefärztin oder jeder Chefarzt sei bereit, Urlaubstage oder unbezahlte Freistellungen für Kammerarbeit zu genehmigen.
- Das bedeute gleichzeitig, dass die Kammern, wollen sie mehr Engagement junger Kollegen, auch bei den Chefärzten dafür werben, die notwendigen Freiräume zu ermöglichen.
- Es müsse zudem mehr Mentoring im Kleinen stattfinden, indem erfahrene Kammerkollegen etwa junge Ärzte an die Aufgaben in der Selbstverwaltung heranführen.
Und natürlich müsse bei älteren Kollegen die Bereitschaft da sein, „den Staffelstab früher zu übergeben oder ihn zumindest gemeinsam zu tragen“, appellierte Weissenberger.
Befristung für einzelne Ämter?
Jana Pannenbäcker, Co-Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, würde sogar noch weiter gehen und die Frage stellen, ob die einzelnen Posten in den Kammern nicht zeitlich begrenzt werden sollten, damit schneller und immer wieder junge Kollegen nachrücken könnten. „Es bringt ja wenig, wenn wir jetzt viele junge Kollegen gewinnen und in ein paar Jahren stehen wir wieder vor demselben Problem.“
Buuck sieht das ähnlich, sie schlägt etwa für jene, die die jungen Themen in den Kammern betreuen, vor, dass sie ihr Amt bis maximal fünf Jahre nach der Facharztweiterbildung begleiten sollten. Denn je weiter fortgeschritten die eigene berufliche Laufbahn sei, umso weiter weg bewege man sich von den Bedürfnissen junger Ärzte.
In der Pflicht sehen die jungen Kammeraktiven allerdings nicht nur ihre älteren Kollegen. Es gebe auch eine Bringschuld der jungen Ärzte. „Wer sich nicht beteiligt, überlässt es anderen, zu gestalten, wie unser Beruf in Zukunft aussehen soll“, lauteten die deutlichen Worte von Theresa Buuck. „Und wir jungen haben konkrete Vorstellungen und Ideen.“ Das Mindeste bzw. Kleinste, was jeder tun sollte, sei, zu wählen.
Klein anfangen, das ist auch der Rat von Jana Pannenbäcker: „Mann sollte erst einmal schauen, wie viele Ressourcen habe ich und was kann ich möglich machen?“
Mitgestalten bei Fragen der Altersvorsorge
Dass die Ärztekammern durchaus in vielen Bereichen Gestaltungsmöglichkeiten haben, zeigte in Hannover der frühere Vorsitzende Richter am Bundessozialgericht, Prof. Ulrich Wenner, auf. Neben der Ausgestaltung der Berufsausübung und des Berufsrechts, seien die Kammern frei darin, die Weiterbildung zu organisieren. „Wenn Sie fünf neue Facharztgebiete hinzufügen möchten, ist das möglich.“
Was viele nicht auf dem Schirm hätten: Auch die Verantwortung über die Altersvorsorge, also die ärztlichen Versorgungswerke, liegt bei den Kammern. Damit könnten die Ärzte über die Kammer sehr wohl bestimmen, wie etwa Teilzeitjahre gewertet würden oder ob und wie Elternzeiten anerkannt werden. Themen, die junge Ärzte durchaus angehen. (reh)



