Apotheker plus, 23.07.2010

Rosige Zeiten für Rosenliebhaber

Schon die griechische Dichterin Sappho nannte sie die "Königin der Blumen": die Rose. Wegen ihrer Schönheit, ihrer roten oder rosa Farbe und ihres betörenden Dufts galt sie in jeder Kultur als Symbol für Liebe. Manche Rosenarten sind zudem bewährte Medizinalpflanzen, allen voran die intensiv duftende Apothekerrose.

Von Ursula Armstrong

Rosige Zeiten für Rosenliebhaber

(v. links nach rechts) Heckenrose: Vor allem die Scheinfrüchte werden medizinisch genutzt. Vielblättrige Rose: Im Mittellalter als großes Heilmittel angepriesen. Edelrose: Besonders hübsch anzuschauen, aber nicht bei Krankheiten genutzt. Damaszenerrose: Kam als Arzneipflanze mit den Kreuzrittern nach Europa.

Rosen sind überwältigend schöne und edle Blumen. In allen Kulturen vom Orient, woher die Edelrose stammt, über das antike Griechenland bis in unsere moderne Zeit wurden und werden sie von den Dichtern besungen. Überall war die Rose das Attribut der jeweiligen Liebesgöttin. Duftende Edelrosen waren aber nicht nur Luxus. Rosen gehörten seit jeher zu den wichtigen Pflanzen in klösterlichen Apothekergärten.

Apothekerrose ist die älteste in Europa kultivierte Rose

Rosige Zeiten für Rosenliebhaber

Apothekerrose: Bestandteil von Salben gegen rissige Haut.

© Fotos (5): ug

So trägt die Rosa gallica officinalis den bezeichnenden deutschen Namen "Apothekerrose", denn alle Teile wurden für medizinische Zwecke genutzt. Erstmals wurde der Abkömmling der wilden, in Südeuropa heimischen Essigrose in einem römischen Garten entdeckt. Es wird vermutet, dass die Apothekerrose die älteste in Europa kultivierte Rose ist und von Anfang an medizinisch genutzt wurde. Vor allem in Frankreich wurde sie angebaut, besonders in der Gegend um die Stadt Provins, weshalb die Blume auch als Provins-Rose bekannt ist. In der französischen Volksmedizin war die Rose ein wichtiges Heilmittel bei Halsschmerzen und Durchfall. Apotheker stellten aus den Blüten Rosenwasser, Rosenessig oder Rosenhonig her, die therapeutisch eingesetzt wurden. Für Rosenkonfitüren und Rosenhonig, allerdings eher zum kulinarischen Gebrauch, ist Provins heute noch berühmt.

Den Blütenblättern der Apothekerrose, die besonders stark duften, wenn sie leicht angewelkt sind, wird eine adstringierende, stärkende, anregende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Sie sollen als Mundspülung bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum helfen. Heute wird hauptsächlich das ätherische Öl angewendet, etwa als Bestandteil von Salben für rissige und entzündete Haut. In der Aromatherapie soll Rosenöl entspannen und die Stimmung heben.

Traditionelle Arzneipflanzen sind auch die Damaszener- und die Hundertblättrige Rose (Rosa damascena und Rosa centifolia), die aus Persien und dem Orient stammen und von den Kreuzrittern nach Europa gebracht wurden. Ihre Blütenblätter wurden im Mittelalter als Heilmittel angepriesen, etwa bei Verdauungsstörungen, Ruhr, Diarrhö, Kopfschmerzen, Nervosität, Fieber, Augenleiden, Hautkrankheiten oder Lungenerkrankung. Beide Rosenarten eignen sich zudem besonders gut für die Herstellung von Rosenöl.

Edelrosen wurden von den Römern nach Mitteleuropa gebracht. In unseren Breiten wuchs bis dahin nur die Hecken- oder Hundsrose (Rosa canina). Auch sie wurden medizinisch genutzt. Hundsrose heißt der Strauch, da in der Volksmedizin die Wurzel ein Therapeutikum bei Verletzungen durch Hundebisse war. Noch heute werden aus Heckenrosenblüten Mundspülungen hergestellt. Meist werden aber die roten Scheinfrüchte verwendet. Die Hagebutten enthalten viel Vitamin C, mehr als Zitrusfrüchte. Hagebutten-Tee wird daher zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten getrunken. Aus den Schalen hergestellte Marmelade, Saft oder Mus sollen bei Appetitlosigkeit helfen. Das Öl aus den haarigen Samen wird bei Hautkrankheiten und kosmetisch gegen Falten eingesetzt.

Vertraulichkeit im Zeichen der Rose

Rosen haben übrigens noch eine weitere Bedeutung. Bei den Ägyptern waren Rosen dem Gott des Schweigens, dem Geheimnisbewahrer Harpokrates (dem Horus-Kind) geweiht. Deshalb haben Geheimgesellschaften wie die Rosenkreuzer die Blume als Symbol gewählt. "Sub rosa dictum", das unter der Rose Gesprochene ist für sie das absolut Vertrauliche. Aus diesem Grund wurden früher über dem Tisch, an dem Freunde bei vertrautem Gespräch sitzen, Stuckrosen angebracht. Und das ist auch der Grund, weshalb Beichtstühle oft mit geschnitzten Rosen verziert sind.

Seitenblick

Die Rose ist nicht nur Symbol für Schönheit und Liebe, sondern steht auch für Verführung und erotische Versprechungen. Im Mittelalter hießen Freudenhäuser in Deutschland häufig etwa "Zur großen Rose". Die Bordellviertel waren die Rosengasse oder der Rosenwinkel. Die gewerbetreibenden Damen wurden entsprechend "Rosengässlerinnen" genannt, so Marianne Beuchert in "Symbolik der Pflanzen" (Insel Taschenbuch, 2004). In Frankfurt mussten Dirnen sogar eine Rose tragen, um sich als Prostituierte kenntlich zu machen. (ug)

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