125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
04. - 07. Mai 2019, RheinMain CongressCenter - Wiesbaden

Medienpartner: ÄrzteZeitung
Ärzte Zeitung online, 05.05.2019

Nach Infarkt

Herzpflaster - Forscher sind optimistisch

„Herzpflaster“ sollen künftig infarktgeschädigtes Myokard reparieren. Die Gewebeflicken enthalten kontraktionsfähige Herzmuskelzellen.

WIESBADEN. Derzeit arbeiten Labore weltweit mit verschiedenen Stammzellen, aus denen sich Herzmuskelzellen gewinnen lassen. Diese Zellen lassen sich direkt in den Herzmuskel spritzen oder auf einem Gerüst aus Collagen oder Fibrin zu einem spontan schlagenden Herzmuskelflicken vorzüchten. Diese auch als „Engineered heart tissue“ (EHT) bezeichneten Gewebe werden auf die Oberfläche des Herzens aufgenäht, wachsen an und bilden neues Herzgewebe.

„Das Aufbringen dieser Pflaster ist zwar aufwendiger als die Zellinjektion, hat aber mehrere Vorteile“, erklärt Professor Thomas Eschenhagen vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), in einer Mitteilung der DGIM zum Kongress: Es werden keine Zellen abgeschwemmt, wodurch sich die Effizienz deutlich erhöht, anders als nach einer Zellinjektion gibt es keine Rhythmusstörungen und die Kontraktionskraft des neuen Gewebes lässt sich bereits vor der Implantation testen.

Sowohl die Injektion von Herzmuskelzellen, als auch das Aufbringen von Herzpflastern sind bereits erfolgreich bei verschiedenen Tierarten getestet worden. „Zum Teil ließen sich beeindruckende Mengen von neuem Herzmuskelgewebe nachweisen“, wird Eschenhagen zitiert. Bis auf Herz-Rhythmusstörungen, zu denen es nach Zellinjektion vorübergehend kommen könne, seien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten – insbesondere keine Tumoren, die als gefürchtetes Risiko bestimmter Stammzellenarten gelten.

Zwar sind noch einige Fragen offen – etwa die nach dem Langzeitverlauf eines derartigen Eingriffs sowie nach der mechanischen und elektrischen Ankopplung des neuen Gewebes an den Herzmuskel. Auch wird noch nach Zelllinien geforscht, die nicht abgestoßen werden und daher keine Immunsuppression erfordern. Dennoch seien die Mediziner zuversichtlich, schon in absehbarer Zeit Patienten mit den neuen Zellen behandeln und ihre Herzfunktion wieder verbessern zu können, so die DGIM in ihrer Mitteilung.

Bereits im kommenden Jahr sollen in einer DZHK-Studie erste Herzpflaster bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz getestet werden, die ansonsten auf ein Spenderherz angewiesen wären. (eb)

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