Medica Aktuell, 18.11.2011

Apoplexie: Reha mit Gleichstrom

Selbst wenn Patienten im chronischen Stadium eines Schlaganfalls viel trainieren, verbessern sich die motorischen und sprachlichen Fähigkeiten häufig nur noch minimal. Hoffnung bietet die transkranielle Gleichstromstimulation, die Lernprozesse fördert.

Von Agnes Flöel

Apoplexie: Reha mit Gleichstrom

Schlaganfälle führen oft zur Dysbalance der Hemisphären.

© Springer Verlag

DÜSSELDORF. Nach Schlaganfall persistieren oft Einbußen, insbesondere im motorischen und sprachlichen Bereich.

Die therapeutischen Optionen im chronischen Stadium, also sechs bis zwölf Monate nach dem Schlaganfall, sind begrenzt.

Intensives Training kann nur noch eine geringe oder teilweise auch gar keine messbare Verbesserung mehr erzielen.

Einen Therapieansatz zur effektiven und messbaren Verbesserung motorischer und sprachlicher Funktionen könnte die nicht-invasive Hirnstimulation darstellen.

Eines der am häufigsten verwandten Verfahren ist die transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation, tDCS).

Kontinuierlicher Gleichstrom über zwei an der Kopfhaut angebrachten Elektroden

Dabei fließt über zwei an der Kopfhaut angebrachte Elektroden ein kontinuierlicher Gleichstrom. Es kommt zu einer Auslenkung des Ruhemembranpotentials, bei der anodalen (fazilitierenden) Stimulation zu einer Anhebung, bei der kathodalen (inhibierenden) Stimulation zu einer Absenkung.

Dadurch lassen sich Aktionspotentiale entweder leichter (anodal) oder schwerer (kathodal) auslösen. Weiter verändert die tDCS die glutamaterge N-methyl-D-aspartat (NMDA)-Rezeptor-abhängige Neurotransmission und kann so Lernvorgänge beeinflussen.

Therapie durch Inhibition der gesunden Seite oder Fazilitation der geschädigten Seite

Nach einem unilateralen Schlaganfall kommt es häufig zu einer Dysbalance des interhemisphärischen Gleichgewichtes. Die Therapie mit tDCS bei schlaganfallinduziertem Ungleichgewicht zwischen den Hemisphären kann durch Inhibition der gesunden Seite oder durch Fazilitation der geschädigten Seite erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit der tDCS: bei schwerer Schädigung und somit geringer Reorganisationsmöglichkeit einer Hemisphäre noch eine Lernverstärkung in der gesunden Hemisphäre zu erreichen.

Inzwischen liegen experimentelle klinische Studien zur Beeinflussung der motorischen und sprachlichen Rehabilitation im chronischen Stadium nach Schlaganfall vor. Fragen bestehen noch zu Einzelheiten der Methode und welche Applikationen in der klinischen Routine möglich sind.

Professor Agnes Flöel, Charité Campus Mitte, Neurologie, Berlin

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »