Ärzte Zeitung, 01.03.2005

Mit neuer Leber kehrte Melanie in ihr altes Leben zurück

Ein Jahr nach ihrer Transplantation muß die Elfjährige nur beim Sport kürzer treten / Arzt gibt die besten Prognosen

Seit einem Jahr lebt die elfjährige Melanie mit einer Spenderleber. Ein Jahr voll positiver Veränderungen. Denn seit der Transplantation führt das Mädchen ein ganz normales Leben. Angesichts der ersten Tollwut-Übertragung durch transplantierte Organe in Deutschland, zeigt Melanies Schicksal, welch ein Segen die Organspende für die Empfänger ist.

Es war im November 2003, als Melanie wegen Leberversagens in die Heidelberger Kinderklinik mußte. Die Ärzte stellten fest, daß es sich um einen plötzlichen Ausbruch der Wilson-Krankheit handelte, die erblich ist. Die Hoffnungen auf Besserung mit Hilfe von Medikamenten erfüllten sich nur teilweise. Anfang Januar 2004 ging es Melanie immer schlechter. "So hatte ich meine Tochter noch nie gesehen, sie war nicht mehr wieder zu erkennen", erinnert sich Melanies Mutter.

Anfang Januar 2004 habe man handeln müssen, sagt sich der behandelnde Kinderarzt Jochen Meyburg. "Melanie war verwirrt, konnte nicht mehr richtig schreiben." Die damals Zehnjährige wurde auf die europaweite Warteliste mit höchster Dringlichkeit gesetzt - zwei Tage später, am 9. Januar 2004, konnte ihr eine geeignete Leber eingepflanzt werden.

Die Heidelberger Kinderklinik verfügt über große Erfahrungen im Bereich Leber- und Stoffwechsel-Erkrankungen. Lebertransplantationen werden in der Klinik seit 1999 bei Kindern vorgenommen. In Zukunft sollen die Transplantationen bei Kindern zu einem Schwerpunkt ausgebaut werden.

Nach einem Jahr hat Melanie sich wieder gut eingelebt. Dank Schulunterricht in der Klinik konnte sie in ihre alte Klasse zurückkehren. Nur im Sportunterricht muß sie manchmal noch kürzer treten. "Ab und zu vergesse ich die Transplantation sogar", erzählt das Kind. Für Melanie gälten die besten Prognosen, so Meyburg. "Sie wird ein normales Leben führen, wird Beruf und Familie haben", ist der Mediziner überzeugt. (dpa)

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