Direkt zum Inhaltsbereich

Bei Endometriose kann Op Fertilität erhöhen

HAMBURG (nke). Die Therapie bei Endometriose ist genauso vielschichtig wie die Erkrankung selbst. Sie reicht von Abwarten mit Beobachten, über Schmerz- und Hormontherapie bis hin zu minimal-invasiven Eingriffen und radikalen Operationen. Im Einzelfall richtet sich die Behandlung nach der Lokalisation der Krankheitsherde, dem Beschwerdebild, dem Alter der Patientinnen und danach, ob ein Kinderwunsch besteht.

Veröffentlicht:

Die Erscheinungsformen der Endometriose sind so verschieden, daß man eigentlich von Endometriosen sprechen müßte, so Professor Andreas D. Ebert, der das am Vivantes Humboldt Klinikum Berlin angesiedelte Endometriosezentrum leitet.

Die Endometriose, also das Vorhandensein von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter, sei eine zwar gutartige, aber zum Teil sehr belastende chronische Erkrankung. "Es ist nicht normal, wenn die Regelblutung zu Bettlägerigkeit und Schmerzmittelmißbrauch führt", betonte der Berliner Experte beim 7. Hamburger Gynäkologentag.

Eine solche Störung müsse diagnostisch abgeklärt werden. Gynäkologische Untersuchungen und Ultraschall könnten den Verdacht auf eine Endometriose erhärten, für den Nachweis aber sei eine Bauchspiegelung mit Gewebe-Entnahme notwendig.

Dieser Eingriff sollte möglichst in einer Klinik erfolgen, in der Experten für Endometriose arbeiten. Die histologische Sicherung der Diagnose ist immer notwendig, so Ebert. Sie werde auch von den gesetzlichen Krankenkassen gefordert.

Als wichtigste Behandlungsmethode gilt die Sanierung der Endometrioseherde durch Laparoskopie oder Bauchschnitt oder durch eine Operation von der Scheide her. Auch Endometriose-Zysten an den Eierstöcken könne man organerhaltend entfernen. Bei der Operation sollten möglichst alle sichtbaren Endometriose-Herde beseitigt werden, weil dies eine dauerhafte oder zumindest langfristige Beschwerdefreiheit ermögliche.

Bei Patientinnen mit Ovarial-Endometriose rät Ebert von einer Punktion oder Koagulation der Herde wegen der hohen Rezidivrate von 98 Prozent ab. Die operative Sanierung sei vor allem bei Frauen mit Kinderwunsch sinnvoll. Denn anders als die rein medikamentöse Therapie könne ein operativer Eingriff die Fertilität verbessern.

Häufig wird die Operation - sofern kein Kinderwunsch besteht - mit einer medikamentösen Nachbehandlung in Form einer Hormontherapie kombiniert. Dies kann die Zeit bis zum Auftreten eines Rezidivs verlängern und vor allem auch die Befindlichkeit der Patientinnen weiter verbessern, so Ebert. Die am meisten verwendeten Präparate in der Praxis seien Gestagene und die "Pille".

Die Hormonpräparate sollten durchgehend über drei bis sechs Monate gegeben werden. Eine weitere Option ist die Einnahme von GnRH-Analoga. GnRH steht für Gonadotropin Releasing Hormon, das wesentlich an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt ist. Analoga besetzen die gleichen Rezeptoren wie die natürlichen Moleküle und unterdrücken somit die Produktion bestimmter Hormone. Da GnRH-Analoga zu den typischen Wechseljahrsbeschwerden und Knochenmasseverlust führten, sollten zusätzlich Östrogene substituiert werden.



STICHWORT

Endometriose

Unter einer Endometriose versteht man das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der physiologischen Schleimhautauskleidung der Uterushöhle. Dieses Gewebe ist ähnlichen zyklischen Veränderungen unterworfen wie das Endometrium selbst. Die Ätiologie der Erkrankung ist bisher jedoch noch nicht genau geklärt. Diskutiert werden zum Beispiel die Verschleppung und die Implantation von menstruell abgestoßenem Endometrium. Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Frauen im gebärfähigen Alter auf und bildet sich nach der Menopause meist zurück. Äußern kann sich die Endometriose in chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie oder Sterilität.

Schlagworte:
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen