Ärzte Zeitung, 18.05.2006

Pädiater-Präsident Hartmann fordert eine Impfpflicht

Schon über 1100 Masernkranke in NRW gemeldet

NEU-ISENBURG (hub). Knapp vier Jahre vor der geplanten Eradikation der Masernviren in Europa erlebt Deutschland einen großen Masernausbruch. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert jetzt eine Impfpflicht.

Die Zahl der mit Masern neu infizierten Personen in Nordrhein-Westfalen geht inzwischen zurück. Derzeit sind über 1100 erkrankt; das sind s etwa doppelt so viele wie auf dem gesamten amerikanischen Kontinent in den vergangenen zehn Jahren. Ursache: die niedrigen Impfraten.

Das Robert-Koch-Institut nennt für 2002 eine Impfrate von 91 Prozent bei Erstkläßlern für die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (Epid Bull 35, 2004, 289). Diese Zahl sei optimistisch, da nur Schulkinder mit Impfpaß erfaßt wurden. Bei der zweiten Impfung lag die Rate bei nur 33 Prozent. Für eine Eradikation notwendig sind Impfraten von jeweils 95 und 80 Prozent.

Eindeutig Stellung hat jetzt BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann bezogen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" forderte er eine Impfpflicht. Wenn Eltern nicht für die nötigen Impfungen sorgten, müsse der Staat eingreifen. Nach dem Vorbild der USA oder Frankreichs sollten nur geimpfte Kinder in öffentlich finanzierte Einrichtungen aufgenommen werden. So würden Impfraten von 95 Prozent erreicht.

Gesetzlich vorgeschrieben war in Deutschland bis 1978 die Pockenimpfung. Der letzte Pockenfall in Deutschland wurde 1974 registriert. 1980 erklärte die WHO die Welt für pockenfrei.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Ihre Meinung und Ihre Anregungen sind uns wichtig.

Plädieren auch Sie bei schlechten Impfraten für eine Impfpflicht? Oder meinen Sie, daß Impfen freiwillig bleiben sollte, und sich Impfraten auch verbessern lassen, indem verstärkt über den Nutzen informiert wird? - Sagen Sie es uns.

Wie können Sie uns Ihre Meinung mitteilen?
Entweder per Brief, per Fax oder elektronisch per Mail!

Ärzte Zeitung,
Redaktion Medizin,
Postfach 20 02 51,
63077 Offenbach
E-Mail: med@aerztezeitung.de
Faxnummer: 06102/50 62 24

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »