Ärzte Zeitung, 24.01.2006

Schimpanse ist enger mit Mensch als mit Affen verwandt

US-Biologen analysieren Erbgut und untermauern eine bislang umstrittene These / Lange Generationsspannen

Der Schimpanse ist einer neuen Erbgutanalyse zufolge enger mit dem Menschen verwandt als mit den anderen Menschenaffen. Das berichten US-Biologen in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften und untermauern damit eine bislang umstrittene Theorie.

Die Forscher um Soojin Yi vom Georgia Institute of Technology in Atlanta stellten außerdem fest, daß sich die Evolution des Menschen langsamer vollzieht als die des Schimpansen - und noch schleppender als die der Menschenaffen Gorilla und Orang-Utan.

Die Biologen analysierten etwa 63 Millionen Basenpaare der DNA, um die unterschiedliche Entwicklung der Arten aufzuzeigen. Daraus ergab sich, daß die Evolution spezifisch menschlicher Merkmale wie etwa der Abstand zwischen zwei Generationen erst "in der jüngeren Vergangenheit" vor etwa einer Million Jahren eintrat.

Da eine lange Generationendauer eng mit der Entwicklung eines großen Gehirns verknüpft sei, lege das Studienergebnis nahe, daß sich auch andere spezifische Eigenschaften des Menschen erst vor vergleichsweise kurzer Zeit gebildet haben, betonen die Forscher.

Nach bisherigem Wissen sind Mensch und Schimpanse vor fünf bis sieben Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren hervorgegangen. Der Studie zufolge begann sich die molekulare Entwicklung in der Linie des Menschen allmählich zu verlangsamen. Gegenwärtig tickt die molekulare Uhr des Menschen nur drei Prozent langsamer als die des Schimpansen - aber elf Prozent langsamer als die der Gorillas.

Dies bedeutet auch eine längere Generationendauer. "Eine lange Zeitspanne von einer Generation zur anderen ist ein wichtiger Unterscheidungspunkt zwischen dem Menschen und seinen evolutionär nächsten Verwandten", kommentiert einer der Studienautoren, Navin Elango. Yi folgert sogar, daß Menschen und Schimpansen einer gemeinsamen Gattung zugeordnet werden sollten - und nicht zwei verschiedenen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »