Ärzte Zeitung, 21.02.2005

Arzneien können Histamin-Intoleranz verstärken

Betroffene mit Beschwerden sollten histaminhaltige Lebensmittel meiden / Vorsicht ist bei Kontrastmitteln geboten

GÖTTINGEN (grue). Einige Medikamente können über eine Enzymhemmung den Histamin-Spiegel erhöhen. Manche Patienten reagieren darauf empfindlich, besonders, wenn sie zusätzlich histaminhaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Kopfweh, verstopfte Nase und Magen-Darm-Probleme sind häufige Symptome von Histamin-Intoleranz. Ausgelöst wird sie durch einen Mangel an dem Enzym Diaminoxidase (DAO), hat Professor Reinhart Jarisch vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien berichtet. Etwa ein Prozent der Bevölkerung muß wegen des genetisch bedingten Enzymmangels auf stark histaminhaltige Nahrungsmittel wie Rotwein, Schokolade und Thunfisch weitgehend verzichten.

      Starke Reaktion bei Insektenstich ist ein Hinweis.
   

Aber auch wer hier wenig empfindlich ist, sollte sich nach Einnahme bestimmter Medikamente bei histaminhaltigen Speisen zurückhalten, hat Jarisch bei einer allergologischen Tagung in Göttingen betont.

Das betreffe vor allem Frauen im mittleren Alter, bei denen unter dem Einfluß von Sexualhormonen der Histamin-Abbau offenbar verringert ist. Einer der bekanntesten DAO-Blocker sei das Acetylcystein, das nach intravenöser Injektion sogar eine Anaphylaxie auslösen könne, sagte Jarisch. Auch andere häufig verordnete Wirkstoffe wie Metamizol, Metoclopramid und Verapamil hemmen die DAO und können in Verbindung mit histaminhaltiger Nahrung unverträglich sein.

Die Diagnose Histamin-Intoleranz ist schwer zu stellen, weil keine Antikörper gebildet werden. Auf eine Unverträglichkeit läßt sich aber aus den Berichten der Patienten schließen. Zudem reagierten Betroffene auffallend stark auf Insektenstiche und bildeten im Hauttest stark juckende Histamin-Quaddeln, sagte Jarisch.

Auch sollte nach der Verträglichkeit von Röntgen-Kontrastmitteln gefragt werden, die alle die Histamin- Freisetzung stimulieren können und für disponierte Menschen gefährlich sein können. "Wir empfehlen im Zweifel die Therapie mit einem Antihistaminikum ein bis zwei Stunden vor der Untersuchung", sagte Jarisch. Bei bekannter Kontrastmittel-Unverträglichkeit sollte vorab auch ein orales Glukosteroid verordnet werden.

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