Ärzte Zeitung, 15.02.2017
 

IgE-Tests

Große Unterschiede je nach Hersteller

Seit langem wird bemängelt, dass die Ergebnisse von IgE-Tests verschiedener Hersteller nur eine geringe Übereinstimmung aufweisen. Hat sich die Situation mittlerweile gebessert?

Von Beate Schumacher

Große Unterschiede je nach Hersteller

Allergien: Im Labor ist ist die Diagnose der IgE-Antikörper nicht trivial.

© Kzenon / fotolia.com

BAMBERG. Das Institut für Standardisierung und Qualitätskontrolle im medizinischen Laboratorium (INSTAND e. V.) hat bereits 2003 darauf hingewiesen, dass die Konzentrationen von spezifischem IgE (sIgE), die mit verschiedenen Systemen nachgewiesen werden, stark differieren.

Seitdem hat man sich von regulatorischer wie von Anbieterseite darum bemüht, die Situation, etwa durch Teilnahme an Ringversuchen, zu verbessern. Diese Anstrengungen scheinen jedoch kaum Früchte getragen zu haben.

Das zeigt eine Analyse von Nathalie Wojtalewicz und Kollegen, Hochschule Anhalt in Bamberg, in der die Ergebnisse der Ringversuche von INSTAND e. V. für IgE gegen Birkenpollen und Bienen- und Wespengift aus den Jahren 2010 bis 2015 verglichen wurden (Allergo J Int 2017; online 18 Januar).

Tests vor vier Herstellern im Vergleich

In dem Zeitraum wurden insgesamt 17 Ringversuche durchgeführt, die Zahl der teilnehmenden Labors erhöhte sich von anfangs 140 auf etwa 500. Da rund 80 Prozent der Labors die Tests von vier Herstellern verwendeten, wurden nur diese Systeme in pseudoanonymisierter Form und anhand von Boxplot-Kurven für die semiquantitativen Daten und die Allergenklassen verglichen.

Wie schon früher zeigte sich eine große Divergenz bei den nachgewiesenen Mengen an sIgE. Am deutlichsten war dies bei IgE gegen Birkenpollen: In der konzentrierten Serumprobe wurden Werte von 0 bis 65 kU/l ermittelt. Die große Variationsbreite schlug sich auch in der Allergenklasse nieder.

Was ist die Ursache für die Divergenz?

Bei Bienengift-sIgE fiel unter anderem auf, dass der Test eines Herstellers anfangs fast immer Werte unter dem Schwellenwert für eine Allergiediagnose lieferte. Eine offensichtliche Veränderung hatte aber zur Folge, dass ab Sommer 2014 die ermittelte Allergenklasse sogar um mindestens eine höher lag als mit den anderen Tests.

Um die Vergleichbarkeit der Labors untereinander beurteilen zu können, wurde exemplarisch der Variationskoeffizient (CV) für die semiquantitativen Bienengift-IgE-Daten bestimmt. Nur bei zwei Testanbietern blieb der CV meistens unter 20 Prozent, bei den beiden anderen lag er geringfügig beziehungsweise klar über dieser als kritisch erachteten Grenze.

Ursächlich für die Divergenz der Testergebnisse ist laut der Autoren vor allem die Verwendung komplexer Allergenextrakte, die von Hersteller zu Hersteller variieren. Besser geeignet wären definierte Allergenkomponenten.

Studienergebnisse

- Große Divergenz gab es bei den nachgewiesenen Mengen an sIgE. Bei IgE gegen Birkenpollen wurden in der konzentrierten Serumprobe Werte von 0 bis 65 kU/l ermittelt.

- Der Variationskoeffizient für die semiquantitativen Bienengift-IgE-Daten blieb nur bei zwei Testanbietern meistens unter 20 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »