Ärzte Zeitung online, 29.08.2019

Diagnostik

Wespenstich: Wann liegt eine Allergie vor?

Antikörper-Tests auf Insektengift sind dann indiziert, wenn es eine schwere allergische Sofortreaktion nach einem Stich gab, betonen Experten.

AACHEN. Das bayerische Gesundheitsministerium hat unlängst dazu aufgerufen, Menschen mit Verdacht auf eine Insektengiftallergie häufiger zu untersuchen. Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) unterstützt diese Initiative.

Hierbei sei wichtig, dass eine starke Schwellung nach einem Insektenstich noch kein Hinweis auf eine Insektengiftallergie ist, die eine vorbeugende Behandlung benötigt, erinnert die GPA in einer Mitteilung. Nur sehr wenige Patienten mit starken Lokalreaktionen erlitten bei zukünftigen Stichen einen allergischen Schock, meist trete erneut eine starke Schwellung auf. Diese könne durch eine früh eingeleitete lokale Therapie gelindert werden.

Viele Menschen sind sensibilisiert

Die Indikation für einen Test auf Antikörper auf Insektengift sei nur dann gegeben, wenn bereits eine schwere allergische Sofortreaktion direkt nach einem Stich aufgetreten ist, betont die GPA. Ein hoher Anteil der Bevölkerung – bis zu 40 Prozent der Erwachsenen und bis zu 50 Prozent der Kinder – habe Insektengift-Antikörper ausgebildet, sei also sensibilisiert, aber nur wenige davon, nämlich rund 3,5 Prozent, reagierten schwer allergisch.

Auch eine besonders starke Sensibilisierung sagt nicht voraus, dass ein Allergierisiko besteht. Dies bedeutet, dass eine unnötige Testung bei rund 47 von 100 Personen unberechtigte Sorgen vor einer Insektenstichallergie auslösen würde, so die GPA.

Wer sollte Notfallmedikamente mitführen?

Die entstehende Angst verschlechtert die Lebensqualität der Patienten und kann teilweise dadurch sogar das Stichrisiko erhöhen, dass die Patienten durch schnelle Abwehrbewegungen die Tiere reizen. Insofern sollte der Test nur dann erfolgen, wenn er als Vorbereitung für eine spezifische Immuntherapie notwendig ist.

Auch Notfallmedikamente, die auch einen Adrenalin-Autoinjektor beinhalten sollten, müssten nur von denjenigen Patienten mitgeführt werden, die bereits eine schwere allergische Reaktion erlebt haben. (eb)

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