Ärzte Zeitung, 24.01.2017
 

COPD

Mit Bewegungstherapie gegen Luftnot

Patienten mit COPD meiden aus Angst vor Atemnot oft körperliche Aktivitäten. Ein Fehler – denn Dyspnoe, Belastbarkeit und Lebensqualität lassen sich durch gezielte Bewegungstherapie deutlich verbessern.

Von Silke Wedekind

FRANKFURT / MAIN. Ständige Atemnot mit Husten und Auswurf, Belastungsintoleranz und eine eingeschränkte Lebensqualität sind die Kardinalsymptome der COPD. "Als Hauptursache der Dyspnoe wird heute die dynamische Überblähung der Lunge unter Belastung angesehen", sagte Dr. Benjamin Waschki von der LungenClinic Großhansdorf.

Aufgrund der eingeengten Atemwege komme es bei Patienten mit COPD unter der bei Belastung zunehmenden Atemfrequenz und Atemtiefe dazu, dass die in immer kürzerer Zeit eingeatmete Luft nicht mehr vollständig abgeatmet werden kann.

"Daraus resultiert eine Zunahme der Überblähung während der Belastung, was wiederum eine Ineffizienz der Atemmuskulatur nach sich zieht und Luftnot verursacht", so der Pneumologe beim Gemeinsamen Kongress für Sportmedizin und kardiovaskuläre Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR).

Reduktion der körperlichen Bewegung ein Fehler

Um die Dyspnoe zu vermeiden, reduzieren viele Patienten mit COPD ihre körperlichen Aktivitäten auf ein Minimum. "In der Folge entsteht so eine Abwärtsspirale aus Bewegungsmangel und abnehmender Leistungsfähigkeit, die wiederum zu einer Dekonditionierung – also Abnahme der Muskelmasse, Muskelkraft und körperlichen Belastbarkeit – und damit zu einer weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion mit Dyspnoe führt", informierte Waschki.

In Reaktion darauf schonen sich die Betroffenen immer stärker. Fast zwangsläufig ergäben sich daraus Konsequenzen wie kardiovaskuläre Erkrankungen, Gewichtsveränderungen, Abnahme sozialer Kontakte und zunehmende Isolation und damit unter Umständen auch Depressionen.

Diese Abwärtsspirale kann durch eine gezielte Bewegungstherapie durchbrochen werden. "Für ihren Nutzen im Vergleich zu anderen Interventionen gibt es aus randomisierten klinischen Studien und Metaanalysen die beste Evidenz", berichtete Waschki.

Zu den Endpunkten, die sich bei COPD-Patienten durch Bewegungstherapie gesichert verbessern lassen, gehören Luftnot, Belastbarkeit – gemessen beispielsweise anhand der Zunahme der Gehstrecke – und die Lebensqualität, nicht jedoch die Lungenfunktion (www.erswhitebook.org).

Bewegung gegen Mortalität

Körperliche Aktivität ist laut Waschki unabhängig von der Lungenfunktion ein starker Prädikator für die Mortalität jeglicher Ursache: "Je aktiver der Patient ist, desto geringer ist seine Todesfallwahrscheinlichkeit".

Weitere, etwas schwächere Prädiktoren der Mortalität seien die pro Tag zurückgelegten Schritte, die Einsekundenkapazität oder die 6-Minuten-Gehstrecke.

Die Bewegungstherapie könne in einer stationären Rehabilitation oder aber in einer wohnortnahen ambulanten Rehabilitation begonnen werden. Letztere stehe in Deutschland jedoch noch nicht flächendeckend zur Verfügung, kritisierte Waschki.

"Dass sich die in einer Rehabilitation vermittelte Schulung auch langfristig lohnt, konnte eine Untersuchung zeigen, in der COPD-Patienten in Nordic Walking angeleitet wurden: Die Sportart erwies sich nicht nur als einfache und praktikable Trainingsmodalität, sondern sie beeinflusste auch die Aktivität der Patienten nach dem Ende der Schulung positiv."

Waschki weiter: "Im Vergleich zu Kontrollpatienten blieben sie ohne weitere Anleitung auch noch nach neun Monaten signifikant stärker körperlich aktiv", so der Pneumologe.

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