Ärzte Zeitung online, 20.10.2017
 

Globaler Trend

E-Zigaretten sind so harmlos nicht

Eine ganze Reihe von beim ERS-Kongress 2017 präsentierten Forschungsergebnissen befasste sich mit der E-Zigarette. Es zeigt sich: Das Schädigungspotential der vermeintlichen Entwöhnungshilfe scheint größer als gedacht.

Von Dirk Einecke

E-Zigaretten sind so harmlos nicht

Wenn E-Zigaretten erfolgreich als "eher harmlos" positioniert werden, birgt das nach Einschätzung von Lungenexperten Gefahren.

© Frank Eckgold / stock.adobe.com

MAILAND. Das Geschäft mit den E-Zigaretten boomt weltweit. Der berühmte Marlboro-Mann, unterwegs zu Pferd durch die Rocky Mountains, wird wohl bald eine E-Zigarette im Mundwinkel bewegen. Man schätzt, dass die E-Zigaretten-Industrie in den USA bald diejenige der konventionellen Glimmstängel überholt.

Wenn E-Zigaretten erfolgreich als "eher harmlos" positioniert werden, birgt das Gefahren: Zum einen werden sie von jungen Leuten als Einstiegsdroge verwendet, zum zweiten nimmt das Heer derjenigen zu, die doppelt rauchen, konventionell und elektronisch.

E-Zigaretten versteifen die Gefäße

Eine Forschergruppe um Dr. Magnus Lundbäck vom Danderyd Universitätshospital in Stockholm hat Kreislaufeffekte einer E-Zigaretten-Exposition bei 15 gesunden Freiwilligen untersucht. Sie fanden dabei erstmals heraus, dass E-Zigaretten innerhalb von nur 30 Minuten zu signifikanten Anstiegen von Blutdruck und Pulsfrequenz führen, die Gefäßsteifigkeit nahm um den Faktor 3 zu. E-Zigaretten ohne Nikotin verursachten diese Effekte nicht. "Wir gehen davon aus, dass chronischer E-Zigaretten-Konsum langfristig die Gefäße versteift und dass das Nikotin dafür verantwortlich ist", so Lundbäck.

"Doppelraucher" leiden häufiger unter Atemwegsbeschwerden

Dr. Linnea Hedman von der Umeå Universität in Schweden berichtete Ergebnisse einer Untersuchung unter 30.000 Personen in Schweden. Zwöl Prozent rauchten konventionelle Zigaretten und zwei Prozent E-Zigaretten. Zehn Prozent der konventionellen Raucher konsumierten auch E-Zigaretten, im Vergleich zu 1,1 Prozent der Ex-Raucher und 0,6 Prozent der Nichtraucher.

Wer "doppelt" rauchte, litt mit 56 Prozent signifikant häufiger an respiratorischen Symptomen als reine konventionelle Raucher (46 %), reine E-Raucher (34 %) oder Nichtraucher (26 %).

Was steckt drin?

Die Arbeitsgruppe um Constantine Vardavas von der Universität in Kreta hatte bei 122 in Europa gebräuchlichen E-Zigaretten die Inhaltsstoffe chemisch analysiert. Alle Proben enthielten wenigstens eine Substanz, die nicht gesund für die Atemwege klassifiziert ist (GHS-Klassifikation). Die Autoren fanden häufig Cyclopentanolon (26 %), A-Ionon (9 %), Ethyl-Vanillin (16,5 %) oder Acetylpyrazin (8 %).

Vardavas präsentierte die Ergebnisse einer anderen Untersuchung über europaweite Trends in der Raucherentwöhnung. Nikotinersatztherapien (von 14,6 % auf 12,2 %) und Raucherentwöhnungskliniken (6,7 % auf 5 %) wurden unbeliebter, doch Versuche mit der E-Zigarette stiegen an (3,7 % auf 11 %).

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