Ärzte Zeitung online, 16.08.2019

Studie

Zahl der COPD-Erkrankungen nimmt zu

Zi-Studie: In acht Jahren haben die COPD-Diagnosen um 25 Prozent zugelegt. Männer sind stärker betroffen.

BERLIN. Die Diagnoseprävalenz für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) nimmt zu: In acht Jahren – von 2009 bis 2017 – ist sie um 25 Prozent gestiegen, wie eine aktuelle Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt. Bereits im Juni hatten erste Ergebnisse der Studie auf diesen Trend hingewiesen. Lag die Diagnoseprävalenz im Jahr 2009 noch bei 5,1 Prozent, so erreichte sie in einem nahezu linearen Verlauf im Jahr 2016 bereits 6,4 Prozent und blieb auch im Folgejahr nahezu konstant.

Mit insgesamt rund 2,6 Millionen Betroffenen sei die COPD eine der bedeutendsten chronischen Erkrankungen, heißt es. Ausgewertet wurden die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von 40 Millionen GKV-Versicherten über 40 Jahre. Dabei weisen Männer ein höheres Erkrankungsrisiko als Frauen auf (2017: 7,4 Prozent vs. 5,8 Prozent).

Die Studienautoren führen dies darauf zurück, dass Männer mehr Rauchen und häufiger beruflich Schadstoffen ausgesetzt sind. Außerdem nehme die Krankheitslast mit dem Alter zu.

Während die Diagnoseprävalenz in der Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen im Jahr 2017 bei 1,3 Prozent lag, waren es bei den 65- bis 69-Jährigen rund 10 Prozent und bei den 85- bis 89-Jährigen bereits 14 Prozent.

Auch regional zeigen sich Unterschiede in der Prävalenz: So lag die geschlechts- und altersstandardisierte Diagnoseprävalenz 2017 zwischen 3,1 Prozent im Kreis Reutlingen (Baden-Württemberg) und 10,6 Prozent im Kreis Osterode am Harz (Niedersachsen). Generell seien Niedersachsen und Thüringen besonders betroffen, berichtet das Zi.

Da die Bevölkerung immer älter werde, geht das Institut davon aus, dass die Erkrankungszahlen in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Rund 60 Prozent der Diagnosen waren übrigens unspezifisch von den Ärzten kodiert (ICD: J44.9). (reh)

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[21.08.2019, 10:10:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kritische Gedanken zu...
"Die Stadtbevölkerung, welche an viel befahrenen Straßen lebt, ist am meisten gefährdet“, lautete das Credo des Pneumologen Prof. Dr. med. Christian Witt von der Berliner Charité beim letztjährigen Deutschen Lungentag 2018.

Doch ist das empirisch korrekt und logisch folgerichtig? Unlogisch wird ausgeklammert, dass auch ein wesentlicher Teil der Dorf- und Landbevölkerung direkt an viel befahrenen Straßen wohnen muss. Und so lange die Wohlhabenden, Reichen und "Schönen" weltweit mit ihrer generell höheren Lebenserwartung nicht gezielt ihre Wohnsitze an viel befahrenen Hauptverkehrs-Straßen aussuchen, um zugleich den Ärmeren und weniger Wohlhabenden der Unterschicht bzw. unteren Mittelschicht mit generell niedriger Lebenserwartung in ihren verkehrsfernen grünen Villenviertel Platz zu machen, wird es immer wieder diesen Studien-"Bias" (Fehlannahme) geben.

Wenn laut einer Statistik der Europäischen Umweltagentur EEA in Deutschland 2017 rund 54.000 bis 66.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub, 12.000 bis 44.000 durch Stickoxide und 2.200 durch Ozon vorgekommen sein sollen, wurden genau diese wichtigen morbiditäts- und mortalitätsbildenden Erkenntnisgrundlagen und Co-Faktoren empirisch vereinfachend ausgeklammert. Denn Morbidität und Mortalität entwickeln sich bei allen Lebewesen nicht monokausal: Straßenverkehr, Emissionen, Immissionen und Lärm machen nur einen Teil gesundheits-schädigender, krankheits-fördernder Risikofaktoren aus.

Selbstverständlich sind die Konzentrationen von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden nicht nur bei großer Hitze und anhaltender Trockenheit erhöht und führen bei unseren Patientinnen und Patienten zu chronischer Bronchitis, Asthma oder COPD. Dass bei COPD der chronisch obstruktiven Lungen-Patient im Lauf der Zeit auch unter Umweltbelastungen zunehmend Atemprobleme bekommt, kann gar nicht ernsthaft bestritten werden.

Doch weshalb muss ausgerechnet der Individualverkehr mit Diesel- und Benzin-Antrieb von PKWs und LKWs in Ballungsräumen als Sündenbock herhalten, während alle anderen Umweltsünder geschont und verhätschelt werden? Messungen an Energie-, Heizungs-, Entsorgungs- und Industrieanlagen, am Luft-, Wasser- und Schienen-Verkehr sind im Gegensatz zum Straßenverkehr, wo in 1 bis maximal 10 Meter Abstand vom Fahrbahn-Rand Mess-Stationen europaweit installiert wurden, waren und sind bis heute grundsätzlich nicht vorgesehen.

Umweltbundesamt (UBA): "Demnach soll eine verkehrsnahe Station z.B. nicht weiter als 10 Meter vom Fahrbahnrand und mindestens 25 Meter entfernt von einer verkehrsreichen Kreuzung aufgestellt werden". Am Beispiel zweier Dortmunder Mess-Stationen unter
http://news.doccheck.com/de/blog/post/10594-standorte-von-umwelt-messstationen-in-dortmund/
dargestellt.

Pneumologen, Haus- und Familienärzte bzw. Fachgesellschaften sollten sich nicht vor den Karren einer populistisch-unehrlichen bzw. wissenschaftlich nicht belegbaren Diesel-PKW-Politik spannen lassen. Es ist schließlich ein gesamtgesellschaftlicher Skandal, wenn nicht a l l e verschiedenen Verbrennungsarten einschließlich der Kohleverstromung mit entgegengesetzten und in sich widersprüchlichen Kriterien der Umwelt-Verträglichkeits-Prüfungen behandelt werden.

In einer beispiellosen Kumpanei zwischen Automobilindustrie, Lobbyisten, Werbewirtschaft, Wissenschaft, Politik, Meinungsbildnern, KFZ-Zulassungs- und Aufsichtsbehörden wurden exzessiven Manipulationen Tür und Tor geöffnet.
Trotzdem: Nach 2-Takter-Abschaffung, Ende der Diesel-Fahnen oder Ölbrenner-Fahnen beim Benziner durch ASU, Feinstaub-, CO-, CO2- und SO2-Debatten, geregelter Abgasreinigung mit/ohne Katalysator/Feinstaubfilter/ad-blue-Technologie sind und bleiben Diesel- und Benzin-PKWs historisch die saubersten Autos, die unsere Umwelt je gesehen hat.

Das bezieht sich aber nur auf kleine Hubräume und geringe KW-Leistungen. Großvolumige (veraltete) PKWs, SUVs, Protz-, Nutz- und Sonder-, Schienen-Fahrzeuge, LKWs, Industrie-Verbrennungsmotoren, Heizungsanlagen sind die entscheidenden Hauptprobleme, weil deren Gesamtausstoß und Umweltbelastungen wesentlich höher liegen.

Und Schiffsdiesel, Diesellokomotiven bzw. landwirtschaftliches Gerät fahren zugleich mit Alt-/Schwer-/Heizöl zu Land, zu Binnengewässern oder auf Weltmeeren und in allen deutschen Hochsee-Häfen herum?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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