Ärzte Zeitung, 20.10.2016

Selbst nach Jahren

Warum Verbrennungen bei Kindern Atemwegsinfekte auslösen

Von Christine Starostzik

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Ziehen sich Kinder Verbrennungen zu, hat das wohl schwerwiegende Folgen auf das Immunsystem.

© somenski / fotolia.com

Kinder, die Hautverbrennungen erlitten haben, sind wohl anfälliger für Atemwegsinfektionen – obwohl sie keinen Rauch eingeatmet haben. Australische Forscher haben eine Vermutung, woran das liegen könnte.

CRAWLEY. Kinder mit Brandverletzungen müssen einer australischen Studie zufolge ungewöhnlich häufig wegen Erkrankungen der Atemwege stationär behandelt werden – selbst wenn sie keinen Rauch eingeatmet haben und die Verbrennungen Jahre zurückliegen.

Anfälligkeit steigt

Verbrennungen rufen vielfältige systemische Reaktionen auf den Plan. So werden unter anderem das Immunsystem, die Gerinnungskaskade sowie inflammatorische Prozesse aktiviert.

Häufig machen nicht nur die Hautverletzungen selbst Probleme, es kommt langfristig auch zu Erkrankungen der Lunge, und zwar selbst dann, wenn die Kinder keinen Rauch inhaliert haben. Denn auch Entzündungsprozesse und Wiederbelebungsmaßnahmen scheinen die Anfälligkeit für respiratorische Erkrankungen zu steigern.

Zudem können die durch die Brandverletzung aktivierten Vorgänge der Gerinnungskaskade sowie der Fibrinolyse zur Ausbildung eines Lungenödems beitragen. Bislang wurden solche Folgeerscheinungen über Zeiträume von drei Jahren hinweg beobachtet.

In jüngerer Zeit mehren sich allerdings die Hinweise, dass das Immunsystem auch Schäden in den verschiedensten Bereichen davontragen kann, die weitaus länger nachwirken als bislang angenommen. Und dies gilt offenbar nicht nur für schwerstverletzte Brandopfer.

Daten von 5290 Brandopfern

Janine Duke von der University of Western Australia und Kollegen haben jetzt die Daten einer populationsbasierten Längsschnittstudie von Kindern untersucht, die im Alter unter fünf Jahren eine Hautverbrennung ohne Rauchvergiftung erlitten hatten und deshalb zwischen 1980 und 2012 stationär behandelt worden waren (Pediatrics 2016; e20161658).

43 Prozent der Studienteilnehmer hatten weniger schwere Brandverletzungen (< 20 Prozent der Körperoberfläche), 1 Prozent schwere (≥ 20 Prozent Körperoberfläche), und bei 56 Prozent der Patienten lagen keine Angaben vor.

Die Daten der 5290 Brandopfer wurden denen einer Kontrollgruppe von 27.061 unverletzten, gleichaltrigen Kindern des australischen Geburtsregisters gegenübergestellt.

Influenza- und Pneumonie-Risiko viel höher

Nach Berücksichtigung demografischer Faktoren und dem Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Verbrennung zeigte sich im Vergleich zu den Kontrollprobanden eine höhere Anfälligkeit der Brandopfer für respiratorische Krankheiten.

Die Kinder mussten insgesamt 1,24-mal häufiger wegen Atemwegserkrankungen stationär behandelt werden. Besonders häufig kam es zu Krankenhausaufenthalten wegen Influenza und Pneumonie.

In Subgruppenanalysen lag das Risiko der Brandopfer für eine stationäre Behandlung wegen einer Influenza oder einer viralen Pneumonie um 78 Prozent höher als in der Kontrollgruppe, wegen einer bakteriellen Pneumonie um 34 Prozent und wegen anderer respiratorischer Infektionen um 65 Prozent höher.

Kein statistisch signifikanter Zusammenhang ergab sich für andere Erkrankungen der oberen Luftwege sowie chronische Krankheiten des unteren Respirationstrakts.

Immunsystem langfristig geschädigt?

Duke und seine Kollegen vermuten, dass immunsuppressive Effekte von Verbrennungen bei einigen Kindern mindestens bis zu zehn Jahre nach der Wundheilung anhalten könnten.

Zwar sei der zugrunde liegende Mechanismus noch nicht geklärt, man gehe aber davon aus, dass die Auswirkungen akuter Entzündungen und der Immunantwort über die Wundheilung hinaus persistierten.

Wegen der weitreichenden Folgen von Brandverletzungen halten die Studienautoren sowohl eine längere stationäre Behandlungszeit nach Verbrennungen als auch regelmäßige Kontrollen nach der Klinikentlassung für angebracht.

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