Ärzte Zeitung, 24.02.2005

Deutsche Daten bestätigen Langzeiteffekt von Antidementiva

Mehrjährige Cholinesterasehemmer-Therapie steigert die Chance, daß Alzheimer-Kranke länger zu Hause betreut werden können

FRANKFURT / MAIN (SAW). Neue, in Deutschland erhobene Studiendaten stützen bisherige Hinweise, daß bei Therapie mit einem Cholinesterasehemmer Alzheimer-Patienten länger in der häuslichen Umgebung gepflegt werden.

Die Daten, die jetzt Professor Lutz Frölich vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie- und Psychotherapie in Frankfurt/ Main vorgestellt hat, kommen aus der deutschen Late-DONALD-Studie.

In dieser Studie sind drei Jahre nach Abschluß von DONALD (DONepezil bei ALzheimer-Demenz), einer sechsmonatigen Praxisstudie mit 237 Alzheimer-Patienten zum Effekt von Donepezil (Aricept®), von 144 der ursprünglichen Studienteilnehmern erneut Daten erhoben und retrospektiv ausgewertet worden.

Dazu wurden die behandelnden Ärzte unter anderem zur Medikation und zur kognitiven Leistungsfähigkeit der Patienten befragt. Auch Informationen, wo die Demenz-Kranken betreut und gepflegt werden, seien dabei erhoben worden, so Frölich bei einem Satellitensymposium von Eisai und Pfizer.

Drei Jahre nach Abschluß von DONALD hatten noch 80 Patienten eine Dauertherapie mit einem Cholinesterasehemmer, zwölf Patienten erhielten andere Antidementiva. 47 weitere Patienten erhielten entweder eine unzureichende Cholinesterasehemmer- oder gar keine antidementive Therapie, bei fünf Patienten fehlten die entsprechenden Angaben.

Wie Frölich berichtete, wurden von den Patienten mit Cholinesterasehemmer-Dauertherapie drei Jahre nach Abschluß der Praxisstudie noch 71 Prozent zu Hause betreut. Bei den Patienten ohne fortgesetzte antidementive Therapie traf dies dagegen nur für 48 Prozent zu. Die langfristig mit einem Cholinesterasehemmer behandelten Patienten waren zudem seltener der Pflegestufe III zugeordnet, und sie konsultierten signifikant seltener Neurologen oder Psychiater.

Erfreulicherweise würden auch heute noch zwei Drittel aller Demenz-Kranken zuhause versorgt, so Frölich. In den 80er Jahren habe dieser Anteil noch bei 80 Prozent gelegen. Mit einer Cholinesterasehemmer-Therapie könne die Entscheidung, die Kranken nicht mehr zuhause zu pflegen, sondern dafür ein Heim in Anspruch zu nehmen, hinausgezögert werden. Schon heute machten die Pflegekosten den größten Teil des Therapiekosten bei Demenz-Kranken aus, erinnerte Frölich.

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