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Antidementiva erhalten wenige Demenzkranke

DÜSSELDORF (mut). Etwa 60 Prozent der Demenz-Patienten werden zu Hause betreut. Die pflegenden Angehörigen wenden dafür im Schnitt 43 Stunden pro Woche auf. Die meisten der Angehörigen sind dabei selbst schon über 60 Jahre alt, hat eine neue deutsche Studie ergeben. Und: Nur ein Bruchteil der Patienten wird mit Antidementiva behandelt.

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In der Studie wurde bundesweit die Situation von insgesamt 151 Demenz-Patienten untersucht, die in Privathaushalten leben. Die Daten hat jetzt Professor Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim vorgestellt. Danach wurden praktisch alle in Privathaushalten lebenden Demenz-Kranken von Angehörigen betreut, und zwar 39 Prozent vom Ehepartner, ebenfalls 39 Prozent von den Kindern, der Rest von weiter entfernt Verwandten.

Das Durchschnittsalter der pflegenden Angehörigen lag in der Studie bei 61,3 Jahren, so Weyerer auf einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Düsseldorf. Mit einem Anteil von 73 Prozent tragen Frauen die Hauptlast der Pflege.

Wie stark diese Last ist, mache sich etwa bei der Morbidität bemerkbar. So hätten 44 Prozent der pflegenden Angehörigen Wirbelsäulen-Erkrankungen, 35 Prozent Hypertonie, ein Viertel Schlafstörungen und fast ebenso viele eine Depression - das seien Werte, die zum Teil weit über dem Durchschnitt der jeweiligen Altersgruppe lägen, sagte Weyerer.

Obwohl gut belegt sei, daß eine Therapie mit Antidementiva den Pflegeaufwand und die Belastung der Angehörigen reduziert, wurden in der Studie nur 15 Prozent der Patienten mit solchen Mitteln behandelt. Fast doppelt so viele wurden dagegen mit Psychopharmaka therapiert. Immerhin: Knapp ein Viertel der Patienten mit einer mittelschweren Demenz erhielt eine antidementive Therapie. Zehn Prozent waren es bei leichter und zwölf Prozent bei schwerer Demenz, sagte Weyerer. Gründe für die schlechtere Versorgung seien meist die Angst der Ärzte vor unerwünschten Wirkungen sowie die Angst vor Regreßforderungen.

Eine antidementive Therapie, etwa mit Cholinesterase-Hemmern, könne jedoch helfen, Kosten zu senken. Pharmakoökonomische Studien hätten ergeben, daß eine solche Therapie die direkten Kosten zur Betreuung und Therapie von Demenzkranken um bis zu 17 Prozent reduzieren kann - hauptsächlich, weil sich dadurch die Aufnahme in ein Pflegeheim verzögert. Der Aufenthalt in Pflegeheimen verursache den weitaus größten Teil der direkten Kosten für Therapie und Betreuung - nur zwei bis drei Prozent der Kosten entstünden durch die Arzneitherapie.



STICHWORT

Demenz-Prävalenz

In Deutschland sind etwa eine Million Menschen demenzkrank. Nach Schätzungen erkranken 200 000 Menschen jedes Jahr neu an einer Demenz. Etwa 60 Prozent haben eine Alzheimer-Demenz, 20 Prozent eine vaskuläre Demenz und 20 Prozent eine Mischform aus Alzheimer- und vaskulärer Demenz oder eine seltene Demenzform. 97 Prozent der Demenzkranken sind über 65 Jahre alt. Die Prävalenz bei den 65 bis 69jährigen liegt bei etwa 2 Prozent, bei den über 90jährigen liegt sie bereits bei etwa 30 Prozent. Die Zahl der Demenzkranken weltweit wird auf 24 Millionen geschätzt. Bis zum Jahr 2040 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 80 Millionen steigen. (mut)

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