Ärzte Zeitung, 23.09.2009

Wird Alzheimer-Test bald offiziell empfohlen?

Liquoranalyse auf Beta-Amyloid und Tau-Protein / Sensitivität und Spezifität sind hoch

NÜRNBERG (mut). Die Liquoranalyse auf Beta-Amyloid und Tau-Protein soll im kommenden Jahr in internationale Leitlinien zur Alzheimer-Diagnostik eingehen.

Allerdings macht die Standardisierung der Tests noch Probleme. Werden beide Proteine bestimmt, kann eine Alzheimer-Erkrankung mit einer Sensitivität von 100 Prozent und einer Spezifität von 91 Prozent ermittelt werden, so Dr. Piotr Lewczuk aus Erlangen beim Neurologenkongress in Nürnberg.

In Studien ließ sich bei 94 Prozent der Proben M. Alzheimer korrekt diagnostizieren oder ausschließen. Eine solche Diagnostik wird etwa bei leichten kognitiven Einschränkungen gemacht oder zur Differenzialdiagnose.

Lewczuk erinnerte daran, dass bei Alzheimer-Kranken die Konzentration des Beta-Amyloidfragments Aß42 im Liquor verringert ist, die des Amyloidfragments Aß40 aber nicht. Gemessen wird daher in der Regel der Quotient Aß40 zu Aß42. Zugleich weisen die Patienten erhöhte Werte von hyperphosphoryliertem Tau-Protein (pTau) auf. Hier wird ebenfalls ein Quotient bestimmt: der von Gesamt-Tau zu pTau.

Zur Interpretation empfiehlt Lewczuk folgenden Algorithmus: Sind die Werte für Beta-Amyloid und Tau normal, gibt es labordiagnostisch keinen Hinweis auf Alzheimer. Ist entweder Beta-Amyloid oder Tau auffällig, ist eine Erkrankung möglich, sind beide auffällig, ist sie wahrscheinlich.

Ein solches Schema soll schon im kommenden Jahr in internationale Diagnostik-Leitlinien aufgenommen werden, so Lewczuk. Allerdings gebe es noch Diskussionen darum, ab wann Werte pathologisch sind. So werden etwa in schwedischen Labors schon Aß42-Werte unter 600 pg/ml als kritisch betrachtet, in Deutschland oft erst Werte unter 450 pg/ml. Auch über weitere Laborstandards müsse man sich erst einigen, etwa über die verwendeten Laborreagenzien und -materialien.

So komme es mit Probenröhrchen aus Polystyren zu signifikant niedrigeren Aß42-Werten. "Damit können Sie einen gesunden Menschen zu einem Alzheimerkranken machen", sagte Lewczuk. Röhrchen aus Polypropylen hätten auf das Ergebnis dagegen keinen Einfluss.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Was Patienten ihrem Arzt verschweigen

Als Arzt muss man damit rechnen, dass Patienten nicht alle gesundheitsrelevanten Infos offenlegen. Wann und warum sie diese verheimlichen, haben Psychologen analysiert. mehr »

Möglicher Prognosemarker entdeckt

Forscher haben einen Biomarker entdeckt, der bei Prostatakrebs-Patienten früh auf einen aggressiven Verlauf hinweisen könnte – und ein Computermodell entwickelt, das bei der Vorhersage hilft, wie sich der Tumor entwickelt. mehr »

Gewichtheben enttarnt Koronaranomalie

Krafttraining zur KHK-Prävention: Das funktionierte bei einem jungen Gewichtheber – allerdings auf unvorhergesehene Weise. mehr »