Ärzte Zeitung, 23.03.2010

Autonome Neuropathie - Sphinx der Diabetes-Nervenerkrankung

Von einer autonomen Neuropathie können viele Organsysteme von Diabetikern betroffen sein. Außer symptomatischer Therapie kommt es auf gute Stoffwechseleinstellung an.

Von Prof. Hellmut Mehnert

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Die diabetischen Neuropathien haben eine zunehmende Bedeutung bei den diabetischen Folgeschäden. Außer den verschiedenen Formen der sensomotorischen Neuropathien erweist sich immer mehr die autonome Neuropathie als ein zu spät diagnostiziertes und unter Umständen lebensgefährliches Leiden. Anhand epidemiologischer Daten hat sich eine Präferenz für die kardiovaskuläre Neuropathie, die wohl wichtigste Form der autonomen Neuropathie, von 30 Prozent aller Diabetiker ergeben.

Assoziationen zur Diabetesdauer, zu makro- und mikrovaskulären Komplikationen und zur Stoffwechseleinstellung sind bekannt. Ermutigend ist, dass die STENO-2-Studie die guten Präventivmöglichkeiten einer multifaktoriellen Diabetestherapie für diese Neuropathieform gezeigt hat. Dies gilt auch für andere Studien.

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Professur Hellmut Mehnert: Die Kombination von Metformin und Nateglinid ist eine sehr elegante Option.

Viele Organsysteme können von der autonomen Neuropathie betroffen werden: das kardiale System und der Gastrointestinaltrakt, der Harn- und Genitaltrakt, die Sudomotorik und Vasomotorik, die Trophik des neuroendokrinen Systems, die Pupillomotorik und das respiratorische System. Bei dem so wichtigen kardialen System stehen die Ruhetachykardie, die eingeschränkte Herzfrequenzvariabilität, die Belastungsintoleranz und die linksventrikuläre Dysfunktion im Vordergrund. Auch die orthostatische und postprandiale Hypotonie kann lebensgefährlich werden. Diagnostisch ist vor allem die Prüfung der Herzfrequenzvariabilität bei Taktatmung ebenso wichtig wie Valsalva-Manöver und die Überprüfung des 24-Stunden-EKGs. Am Gastrointestinaltrakt fallen die gestörte Ösophagusmotilität und der Gastroösophagealreflux neben Gastropathie, Cholecystopathie und Ob-stipation auf.

Ebenso wie bei den kardialen Formen sind die symptomatischen therapeutischen Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Bei den kardialen Formen dominieren physikalische Maßnahmen, zum Beispiel bei orthostatischer Hypotonie, am Gastrointestinum stehen nur wenige Medikamente zur Verfügung: Bei Magenentleerungsstörungen werden Metoclopramid, Domperidon und eventuell sogar Erythromycin empfohlen. Bei der diabetischen Diarrhoe hat sich der Einsatz von Antibiotika, Tetracyclinen gut bewährt. Außer der Cystopathie am Harntrakt hat die erektile Dysfunktion am Genitaltrakt eine überragende Bedeutung. Etwa 60 Prozent der männlichen Diabetiker sind hiervon betroffen.

Die symptomatische Behandlung mit Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmern dominiert. Gestörte Sudomotorik und beeinträchtigte Vasomotorik haben bei der Entstehung des diabetischen Fußes eine Bedeutung, ebenso die Störung der Trophik mit Hyperkeratose. Symptomatische Maßnahmen, vor allem die Fußpflege, verhindern deletäre Entwicklungen am ehesten.

Die Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen am neuroendokrinen System erfordern häufigere Blutzuckerselbstkontrollen zur Früherkennung. Die Beeinträchtigung der Pupillomotorik (Dunkeladaption!) und die Störung am respiratorischen Syndrom (womöglich vermehrte Schlafapnoe?) sind zu beachten. Alles in allem ist an symptomatische Maßnahmen und an die Verbesserung der Stoffwechseleinstellung zu denken. Hier gibt es auch Verbesserungen kardialer autonomer Reflexe.

Professor Hellmut Mehnert

Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten - diesen Themen widmet sich Professor Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren. 1967 hat Mehnert die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht. Er hat auch das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland ins Leben gerufen. Mehnert ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

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