Ärzte Zeitung, 19.11.2010

"Eine halbe Stunde pro Tag den Zucker ablaufen, das sollte schon sein"

"Eine halbe Stunde pro Tag den Zucker ablaufen, das sollte schon sein"

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen Gefäße und Nerven. Informationen zur Blutzuckersenkung gab es bei der Diabetes-Aktion "Gesünder unter 7".

Von Helga Brettschneider

HEILBRONN. Etwa 90 000 der 270 000 Herzinfarkte jedes Jahr gehen in Deutschland auf das Konto von Diabetes mellitus; ein Drittel dieser Ereignisse verläuft tödlich. "Der beste Schutz vor den Diabetes-Folgen ist eine gute Blutzuckereinstellung", hat Dr. Richard Daikeler aus Sinsheim betont und auf weitere Komplikationen verwiesen:

Von den tödlichen Schlaganfällen in Deutschland treten sogar 56 Prozent bei Zuckerkranken auf. Bei den Neuerblindungen macht der Anteil der Diabetiker etwa 30 Prozent und bei den neuen Dialysefällen rund 40 Prozent aus, wie der Diabetologe bei der Veranstaltung "Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7" von Sanofi-Aventis in Heilbronn berichtete.

Die "Ärzte Zeitung" ist Medienpartner der seit 2005 bundesweit stattfindenden Diabetes-Aufklärungsaktion.

Daikeler plädiert für eine umfassende Therapie, um bei Diabetikern eine gute Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Die Verbesserung des HbA1c-Wertes kann den gefürchteten Folgeschäden vorbeugen. So hat die Studie UKPDS (United Kingdom Prospective Diabetes Study) ergeben, dass die Verringerung des HbA1c-Wertes um nur ein Prozent unter anderem das Risiko für diabetische Netzhautschäden um 37 Prozent und die Gefahr diabetesbedingter Todesfälle um ein Fünftel verringert.

Um eine gute Einstellungsqualität zu erreichen, müssen jedoch auch die Patienten mitarbeiten und den Lebensstil anpassen. Daikeler empfiehlt eine gesunde, vollwertige, kalorienbilanzierte Ernährung, um bei Übergewichtigen nachhaltig eine Gewichtsreduktion zu erzielen. Dabei geht es nicht darum, in kurzer Zeit große Mengen abzunehmen - das ist nicht nur bei Typ-2-Diabetikern auf Dauer selten effektiv -, sondern um kleine, aber dafür kontinuierliche Fortschritte.

Zweiter Knackpunkt ist das Thema Bewegung: Eine halbe Stunde pro Tag "den Zucker ablaufen" - das sollte schon sein. Dazu kommt eine frühzeitige, medikamentöse Therapie mit möglichst wenig unerwünschten Wirkungen.

Um das Gefäßrisiko der Patienten zu mindern, sollten außer der Diabetes-Einstellung auf jeden Fall auch die übrigen Risikofaktoren der Patienten optimiert werden, betonte Daikeler. Das beinhaltet etwa den Verzicht auf Nikotin und eine gute Kontrolle von Blutdruck- und Blutfettwerten.

Und in vielen dieser Bereiche brauchen die Patienten ärztliche Unterstützung. Aber einige Faktoren - wie eben das Gewicht und die körperliche Aktivität - können die Betroffenen in individuellem Umfang selbst beeinflussen.

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