Ärzte Zeitung, 30.11.2011

Sorge um Rückgang beim Zuckermessen

Nach dem jüngsten GBA-Beschluss zu Blutzucker-Teststreifen sind die Ärzte verunsichert: Aus Angst vor der Regresskeule verzichten sie offenbar häufig auf eine Verordnung. Doch in vielen Fällen wäre ein Rezept möglich, sagen Diabetologen.

KÖLN (eis). Für Diabetiker ohne Insulinbehandlung werden keine oder kaum noch Teststreifen für die Blutzuckermessung verschrieben. Das berichtet der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN).

Der gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hatte bekanntlich die Arzneimittelrichtlinie zur Verordnung von Harn- und Blutzuckerteststreifen zum 1. Oktober geändert.

Seitdem seien viele Patienten und Ärzte verunsichert, was noch verschrieben werden dürfe, so der Verband in einer Mitteilung.

Dr. Matthias Riedel vom BdSN betont jedoch: "Unter bestimmten Bedingungen können Teststreifen weiter verordnet werden."

Indikationen zur Verordnung beachten

 Dazu gehören eine instabile Stoffwechselsituation, eine Änderung der Medikamentendosis, die Einnahme von Antidiabetika mit Hypoglykämierisiko (Glimepirid, Glibenclamid und Repaglinid) sowie akute Erkrankungen, durch die sich die Diabeteseinstellung verändern könnte (etwa schwere Infektionen).

Sind eine oder mehrere der Bedingungen erfüllt, kann der behandelnde Arzt jedes Quartal Rezepte für bis zu 50 Teststreifen pro Patient ausstellen.

"Es ist wichtig, dass die Patienten das wissen. Unter den genannten Bedingungen können die Teststreifen Leben retten", betont Riedel.

Patienten mit Insulintherapie sind nicht von der Neuregelung der Arzneimittelrichtlinie betroffen. Die Notwendigkeit der Verordnung wurde bei ihnen sogar ausdrücklich bestätigt. Für diese Patienten bleibt also alles beim Alten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »