Ärzte Zeitung, 17.09.2012

Diabetes

Blutdrucksenkung nicht übertreiben!

Bei Typ-2-Diabetes bringt es nichts, den Blutdruck unter 130/80 mmHg zu senken. Im Gegenteil: Gerät der Druck unter 110 mmHg, erhöht das offenbar das Sterberisiko.

Die Blutdrucksenkung bei Zuckerkranken nicht übertreiben!

Blutdruck im Zielbereich? Besonders niedrige Werte können Menschen mit Diabetes offenbar auch schaden.

© photos.com

LONDON (ple). Diabetiker mit Hypertonie haben im Vergleich zu gesunden Menschen ohne Bluthochdruck ein etwa vierfach erhöhtes Risiko, Herzkreislauferkrankungen zu bekommen oder daran zu sterben, so die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Binnen zehn Jahren haben 20 bis 30 Prozent der Diabetiker mit Hypertonie ein kardiovaskuläres Ereignis. Deshalb gilt die Leitlinienempfehlung vom Herbst 2011, den Blutdruck systolisch zuverlässig unter 140 mmHg zu senken und diastolisch auf 80 mmHg (Diabetologie und Stoffwechsel 2011; 6: S131).

In einer Beobachtungsstudie haben nun britische Gesundheitsforscher den Effekt der Blutdrucksenkung bei neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern mit und ohne kardiovaskuläre Erkrankung geprüft (BMJ 2012; 345: e5567).

Mehr als 126.000 erwachsene Diabetiker nahmen an der Studie teil. Vor der Diagnose hatten knapp 10 Prozent einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Im Verlauf von median 3,5 Jahren starben knapp 25.500 Teilnehmer.

Minderperfusion in den Koronargefäßen?

Wurde der Blutdruck bei den Patienten mit oder ohne kardiovaskuläre Erkrankung unter 130/80 mmHg gesenkt, war das im Vergleich zu einer weniger starken Blutdrucksenkung nicht mit einer besseren Überlebensrate assoziiert.

Wurde der systolische Blutdruck noch weiter gesenkt, erhöhte sich sogar die Sterberate. Im Vergleich zu Studienteilnehmern mit einem systolischen Blutdruck zwischen 130 und 139 mmHg war die Mortalität bei Teilnehmern mit einem Wert von 110 mmHg um das 2,8-Fache erhöht.

Im Vergleich zu Patienten mit einem diastolischen Wert zwischen 80 und 84 mmHg war die Sterberate bei Patienten mit einem diastolischen Blutdruck unter 70 mmHg um das 1,9-Fache erhöht.

Auch wenn kein kausaler Zusammenhang durch diese Zahlen belegt werde, könne die Devise "je niedriger, desto besser" nicht für Blutdruckwerte unter einer kritischen Grenze bei Hochrisikopatienten gelten.

Besser sei es, gemäß der Richtlinien der europäischen Hochdruckgesellschaft den Blutdruck der Patienten auf systolische Werte zwischen 130 und 139 mmHg und diastolische Werte zwischen 80 und 85 mmHg einzustellen, so die britischen Wissenschaftler.

Manche Forscher erklären sich die erhöhte Sterberate bei zu starker Blutdrucksenkung damit, dass es zu einer Minderperfusion überlebenswichtiger Gewebe kommt, eben auch der Koronargefäße.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »