Ärzte Zeitung, 14.10.2013
 

Finnland

Bremst Vitaminmilch Diabetes aus?

In Finnland gibt es immer weniger Kinder, die an Typ-1-Diabetes erkranken. Das könnte an der mit Vitamin D angereicherten Milch liegen, die 2005 eingeführt wurde, meinen Forscher.

Von Elke Oberhofer

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Ein frisches Glas Milch: Laut finnischen Wissenschaftlern helfen mit Vitamin-D versetzte Milchprodukte dem Typ-1-Diabetes bei Kindern vorzubeugen.

© iStockphoto / Thinkstock

HELSINKI. Wissenschaftler von der Universität Helsinki haben die Entwicklung der Typ-1-Diabetes-Inzidenz bei finnischen Kindern unter 15 Jahren über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren verfolgt.

Wie die Gruppe um Valma Harjutsalo berichtet, stieg die Zahl der neu entdeckten Fälle zwischen 1980 und 1988 zunächst leicht, danach bis zum Jahr 2005 deutlich stärker um etwa 3,6 Prozent pro Jahr an.

Nach dieser starken Aufwärtsentwicklung überrascht ein plötzlicher Knick in der Kurve im Jahr 2005: Hier geht der Anstieg abrupt in ein annäherndes Plateau über, das bis zum Auswertungsende 2011 anhält (JAMA 2013; 310 (4): 427-428).

Inzidenz-Gipfel im Jahr 2006

Im gesamten Beobachtungszeitraum wurde die Diagnose Typ-1-Diabetes bei insgesamt 14.069 Kindern gestellt. In die Jahre 2006 bis 2011 fielen dabei 3332 Neudiagnosen.

Die Inzidenz gipfelte im Jahr 2006 mit einer Rate von 64,9 pro 100.000 Personenjahre. Danach war sogar ein leichter Abfall zu erkennen mit einer durchschnittlichen Rate von 62,5 pro 100.000 Personenjahre zwischen den Jahren 2006 und 2011.

Die Zahl der Erkrankungen an Typ-1-Diabetes ist nach dem 2. Weltkrieg vor allem in den hoch entwickelten Industrieländern stetig gestiegen. Finnland liegt dabei an der Spitze: Hier hat sich die Inzidenz der Autoimmunerkrankung seit den 1950er-Jahren verfünffacht.

Der nun beobachtete Anstiegsstopp lässt sich nach Ansicht von Harjutsalo und Kollegen nicht damit erklären, dass es in letzter Zeit etwa weniger dicke Kinder gebe. Die Zahl der übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen ist in Finnland in den letzten Jahren sogar noch gestiegen.

Auch Enterovirusinfektionen, denen ebenfalls eine Rolle in der Pathogenese des Typ-1-Diabetes zugeschrieben wird, hat man nicht in den Griff bekommen; ganz im Gegenteil: Die Zahl dieser Infektionen hat sich zwischen 2006 und 2010 verzehnfacht.

Trend gestoppt

Als Ursache für die Trendwende vermuten die Autoren vielmehr die Einführung Vitamin-D-angereicherter Milchprodukte. In Finnland dürfen diese - anders als in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern - seit 2003 frei verkauft werden.

Bevor nicht weitere Studien, auch aus anderen Ländern, vorliegen, bleibt der Zusammenhang ungeklärt.

Die Forscher konnten nicht ausschließen, dass sich die klinische Manifestation des Typ-1-Diabetes nur in höhere Altersgruppen verschoben hat. Daten zu Jugendlichen und Erwachsenen über 15 Jahre liegen nicht vor.

Zumindest scheint der Trend zu einem immer jüngeren Erkrankungsalter gestoppt zu sein: Die altersbezogene Inzidenz des Typ-1-Diabetes lag bei den Zehn- bis Vierzehnjährigen bei 60,6 und bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 71,5, bei den Babys und Kleinkindern (0-4 Jahre) jedoch nur noch bei 55,0 pro 100.000 Personenjahre.

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