Ärzte Zeitung online, 01.05.2017

Einteilung in Risikogruppen

Gezielte Diabetes-Prävention durch Phänotypisierung

Teil der Präventionsstrategien bei Diabetes soll es künftig sein, im Stadium des Prädiabetes effizienter einzugreifen, durch Phänotypisierung der Patienten.

Von Roland Fath

Die Diabetesepidemie breitet sich weiter aus: Laut aktuellem Länderatlas der International Diabetes Federation mit Zahlen aus 2015 sind die Diabetesprävalenzen in den USA, Mexiko, Brasilien, in einigen Ländern Nordafrikas wie Ägypten, dem Nahen Osten, China und Russland mit Raten von 9 - 12 Prozent und darüber die höchsten weltweit.

Noch gravierender wird aber das Ausmaß der Epidemie wenn auch der Anteil der Bevölkerung mit einem Prädiabetes berücksichtigt wird, betonte Professor Norbert Stefan, Diabetologe am Uniklinikum Tübingen beim Internistenkongress. In den USA hätten – neben Patienten mit manifestem Diabetes – derzeit 38 Prozent der Bevölkerung, in China sogar 50 Prozent eine Glukosestoffwechselstörung im Frühstadium.

Um Maßnahmen zur Lebensstiländerung präziser einsetzen zu können, laufen derzeit Interventionsstudien nach präziser Phänotypisierung von Prädiabetikern. Die Patienten würden unter anderem nach Insulinsekretion, Insulinsensitivität und Leberfett in Risikogruppen eingeteilt, die erfahrungsgemäß ganz unterschiedlich auf Lebensstiländerungen ansprechen könnten, erläuterte Stefan.

Eine solche Einteilung könne vermutlich auch bei Typ-2-Diabetikern helfen, präventive und therapeutische Strategien zu verbessern. "Ich muss die Betazelle ganz früh von der Hyperglykämie entlasten", sagte Stefan. Eine Option sei es dabei auch, statt der Stufentherapie mit Metformin, gefolgt von weiteren oralen Antidiabetika und Insulin gleich mit einer intensiven 3-Fach-Therapie zu beginnen. In einer Studie hatten Patienten, die bereits initial mit der 3-fach-Kombination Metformin/Pioglitazon/Exenatid behandelt wurden, im Vergleich zu Patienten mit konventioneller Therapie ein mehr als 80 Prozent geringeres Risiko, das Therapieziel eines HbA1c≤6,5 Prozent über 2 Jahre nicht zu erreichen, berichtete Stefan – bei einem rund 7-fach geringeren Risiko für Hypoglykämien (Diabetes Obes Metab 2015; 17:268-75). Die Sicherheit nannte der Diabetologe als Voraussetzung einer "hit hard and early"-Strategie. Es sollten möglichst keine Hypoglykämien, keine Gewichtszunahme und Nebenwirkungen in kauf genommen werden.

Als großen Fortschritt in der Therapie des Typ-2-Diabetes in den vergangenen Jahren bezeichnete Stefan die Einführung von SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten. Durch diese Substanzen seien nicht nur neue Optionen zur Verbesserung der Glukoseeinstellung geschaffen worden, sondern vor allem auch eine Verbesserung der kardiovaskulären Prognose der Patienten dokumentiert worden. Als wichtige Prädiktoren eines hohen Atherosklerose-Risikos bei Diabetikern nannte Stefan die viszerale Adipositas und insbesondere die nicht-alkoholische Fettleber .

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