Einteilung in Risikogruppen

Gezielte Diabetes-Prävention durch Phänotypisierung

Teil der Präventionsstrategien bei Diabetes soll es künftig sein, im Stadium des Prädiabetes effizienter einzugreifen, durch Phänotypisierung der Patienten.

Von Roland Fath Veröffentlicht:

Die Diabetesepidemie breitet sich weiter aus: Laut aktuellem Länderatlas der International Diabetes Federation mit Zahlen aus 2015 sind die Diabetesprävalenzen in den USA, Mexiko, Brasilien, in einigen Ländern Nordafrikas wie Ägypten, dem Nahen Osten, China und Russland mit Raten von 9 - 12 Prozent und darüber die höchsten weltweit.

Noch gravierender wird aber das Ausmaß der Epidemie wenn auch der Anteil der Bevölkerung mit einem Prädiabetes berücksichtigt wird, betonte Professor Norbert Stefan, Diabetologe am Uniklinikum Tübingen beim Internistenkongress. In den USA hätten – neben Patienten mit manifestem Diabetes – derzeit 38 Prozent der Bevölkerung, in China sogar 50 Prozent eine Glukosestoffwechselstörung im Frühstadium.

Um Maßnahmen zur Lebensstiländerung präziser einsetzen zu können, laufen derzeit Interventionsstudien nach präziser Phänotypisierung von Prädiabetikern. Die Patienten würden unter anderem nach Insulinsekretion, Insulinsensitivität und Leberfett in Risikogruppen eingeteilt, die erfahrungsgemäß ganz unterschiedlich auf Lebensstiländerungen ansprechen könnten, erläuterte Stefan.

Eine solche Einteilung könne vermutlich auch bei Typ-2-Diabetikern helfen, präventive und therapeutische Strategien zu verbessern. "Ich muss die Betazelle ganz früh von der Hyperglykämie entlasten", sagte Stefan. Eine Option sei es dabei auch, statt der Stufentherapie mit Metformin, gefolgt von weiteren oralen Antidiabetika und Insulin gleich mit einer intensiven 3-Fach-Therapie zu beginnen. In einer Studie hatten Patienten, die bereits initial mit der 3-fach-Kombination Metformin/Pioglitazon/Exenatid behandelt wurden, im Vergleich zu Patienten mit konventioneller Therapie ein mehr als 80 Prozent geringeres Risiko, das Therapieziel eines HbA1c=6,5 Prozent über 2 Jahre nicht zu erreichen, berichtete Stefan – bei einem rund 7-fach geringeren Risiko für Hypoglykämien (Diabetes Obes Metab 2015; 17:268-75). Die Sicherheit nannte der Diabetologe als Voraussetzung einer "hit hard and early"-Strategie. Es sollten möglichst keine Hypoglykämien, keine Gewichtszunahme und Nebenwirkungen in kauf genommen werden.

Als großen Fortschritt in der Therapie des Typ-2-Diabetes in den vergangenen Jahren bezeichnete Stefan die Einführung von SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten. Durch diese Substanzen seien nicht nur neue Optionen zur Verbesserung der Glukoseeinstellung geschaffen worden, sondern vor allem auch eine Verbesserung der kardiovaskulären Prognose der Patienten dokumentiert worden. Als wichtige Prädiktoren eines hohen Atherosklerose-Risikos bei Diabetikern nannte Stefan die viszerale Adipositas und insbesondere die nicht-alkoholische Fettleber .

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Porträts: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Portraits: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Die Schilddrüse tickt in jedem Lebensalter anders

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Lesetipps
Eine Frau streckt ihre Zunge heraus, man sieht ihre Zähne oben.

© vladimirfloyd / stock.adobe.com

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen