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Retrospektive Studie

Nützt SGLT2-Hemmer allen Typ-2-Diabetikern?

Was für Typ-2-Diabetiker mit kardiovaskulären Erkrankungen zutrifft, scheint laut aktueller CVD-REAL-Beobachtungsstudie für bislang noch Herzgesunde mit Typ-2-Diabetes auch zu gelten: Unter einer SGLT2-Hemmer-Therapie sinkt die kardiovaskuläre Mortalität.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Eine neue Studie mit neuen Ergebnissen für Typ-2-Diabetiker.

Eine neue Studie mit neuen Ergebnissen für Typ-2-Diabetiker.

© fotolia.com

SAN DIEGO. Wer an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, hat ja bekanntlich ein höheres Herzkreislaufrisiko als ein stoffwechselgesunder Mensch gleichen Alters. Daran ließ sich lange Zeit trotz einer stetig steigenden Zahl der verfügbaren Diabetes-Medikamente nichts ändern. Hoffnungen wecken nun unter anderem die SGLT2 (sodium dependent glucose transporter-2)-Inhibitoren, die die Glukoseausscheidung über die Niere beeinflussen und somit unabhängig von der Insulinwirkung und -ausschüttung wirken, teilt die American Diabetes Association (ADA) aus Anlass ihrer 77. Jahrestagung in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien mit.

In der EMPA-REG-OUTCOME-Studie beispielsweise sank unter der Therapie die kardiovaskuläre Mortalität um 38 Prozent. Allerdings waren in der Studie ausschließlich Typ-2-Diabetiker mit manifester Herzkreislauferkrankung berücksichtigt und ausschließlich der SGLT2-Hemmer Empagliflozin getestet worden. Somit blieb unklar, ob der protektive Effekt auf andere Substanzen dieser Wirkstoffklasse übertragbar ist und ob auch Typ-2-Diabetiker mit geringerem Herzkreislaufrisiko profitieren, heißt es in der Mitteilung.

Daten aus sechs Ländern

Dieser Frage ging eine Forschergruppe um den Kardiologen Dr. Mikhail Kosiborod aus Kansas City nach und initiierte eine internationale retrospektive Beobachtungsstudie mit dem Namen CVD-REAL. "Und die Ergebnisse überzeugen", wird Professor Matthew Cavender von der staatlichen Universität in Chapell Hill im US-Bundesstaat North Carolina in der Mitteilung zitiert.

Die Initiatoren der CVD-REAL-Studie hatten Patienten mit einem Typ-2- Diabetes, die mit Canagliflozin, Dapagliflozin oder Empagliflozin behandelt wurden, mit solchen Typ-2-Diabetes-Patienten verglichen, die ein anderes Antidiabetikum erhielten. Die zwei Studiengruppen waren hinsichtlich wichtiger Merkmale wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und Basistherapien vergleichbar, so die ADA.

In die Auswertung flossen die Daten von mehr als 300.000 Patienten aus den Ländern Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Großbritannien und den USA ein. Bei etwa drei Prozent der Patienten war eine Herzinsuffizienz dokumentiert, bei 13 Prozent eine KHK und bei 27 Prozent der Studienteilnehmer eine periphere Gefäßerkrankung.

SGLT2-Inhibitoren punkten zweifach

Ein Klinikaufenthalt aufgrund einer Herzinsuffizienz war 951-mal innerhalb des Untersuchungszeitraums erforderlich gewesen, so die ADA. Das Risiko, herzinsuffizienzbedingt stationär behandelt werden zu müssen, lag jedoch um 39 Prozent niedriger, wenn die Patienten einen SGLT2-Hemmer eingenommen hatten (HR 0,61, 95%-Konfidenzintervall (KI) 0,51-0,73), und zwar weitgehend unabhängig davon, ob eine kardiovaskuläre Vorerkrankung bestanden hatte oder nicht.

Als ebenfalls vorteilhaft entpuppte sich die Behandlung mit einem SLGT2-Hemmer mit Blick auf die Mortalität. Insgesamt waren 1334 Todesfälle bei insgesamt 215.622 diesbezüglich ausgewerteten Patientendaten registriert worden. Das Sterberisiko war in der Verumgruppe um 51 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe (HR 0,49; 95%-KI 0,41-0,57).

Damit bestätige die CVD-REAL-Studie nicht nur die Ergebnisse der EMPA-REG-OUTCOME-Studie, sie gehe sogar einen Schritt weiter, so Cavender. "Denn gemäß der CVD-REAL-Analyse scheinen SGLT-2-Inhibitoren bei allen Typ-2-Diabetikern einen Vorteil zu bringen, und zwar unabhängig davon, ob bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung besteht oder nicht."

Die Tatsache, dass keine länderspezifischen Unterschiede festzustellen waren, lege darüber hinaus die Vermutung nahe, dass es sich bei dem kardiovaskulären Nutzen um einen Klasseneffekt handelt, so der US-amerikanische Diabetologe weiter. Denn in den verschiedenen Ländern werden unterschiedliche SGLT2-Hemmer präferiert.

Gleichzeitig hat der Experte der ADA-Mitteilung zufolge mit Blick auf das retrospektive Design der CVD-REAL-Studie gefordert, die Ergebnisse zunächst noch mit Vorsicht zu bewerten: Jetzt müsse der kardiovaskuläre Nutzen der SLGT2-Hemmer in randomisierten kontrollierten Studien überprüft werden.

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