Ärzte Zeitung online, 06.11.2017

Pankreas-Erkrankungen

Häufige Fehldiagnosen bei sekundärem Diabetes

Erkrankt ein Erwachsener an Diabetes, sollte abgeklärt werden, ob eine Pankreaserkrankung vorausgegangen ist. Sekundärer Diabetes ist häufiger als gedacht, zeigt eine britische Studie.

Von Beate Schumacher

Häufige Fehldiagnosen bei sekundärem Diabetes

© Getty Images/iStockphoto

SURREY. Erkrankungen des Pankreas wie akute oder chronische Entzündungen, Operationen oder Neoplasmen führen zu sekundärem Diabetes vom Typ 3c. Weil dabei Betazellen geschädigt werden oder verloren gehen, ist meist die Insulinproduktion vermindert. Durch Wegfall des Pankreas-Polypeptids, das Insulinrezeptoren in der Leber hochreguliert, kann sich zusätzlich eine Insulinresistenz ausbilden – ein wesentlicher Unterschied zum Typ-1-Diabetes. Die Glukagonproduktion der Alphazellen ist ebenfalls herabgesetzt, wodurch schwere Hypoglykämien begünstigt werden.

In der Anamnese von Erwachsenen mit neu manifestiertem Diabetes werden Pankreaserkrankungen aber zu selten abgeklärt, kritisieren britische Forscher um Chris Woodmansey von der Universität Surrey. Die meisten Typ-3c-Diabetiker werden deshalb offenbar als Typ-2-Diabetiker fehlklassifiziert, wie die Analyse der Daten von über 2,3 Millionen erwachsenenHausarzt-Patienten ergeben hat (Diabetes Care 2017; 40: 1–8).

Typ 2- oder Typ-3-Diabetes?

Bei 31.789 der Patienten war zwischen 2005 und 2016 ein Diabetes diagnostiziert worden. Bei 559 Patienten (medianes Alter 59 Jahre) wurde von den Forschern ein Typ 3c definiert, weil eine Pankreaserkrankung, meist eine akute Pankreatitis, vorausgegangen war. Der Typ-3c-Anteil war damit höher als der von Typ 1 (1,8 vs. 1,1 Prozent). Die Inzidenz betrug 2,59 vs. 1,64 pro 100.000 Personenjahre; im Vergleich zur 143/100.000 PJ mit Typ-2-Diabetes.

Allerdings: Nur 2,7 Prozent der Typ-3c-Patienten waren von ihren Ärzten als solche eingestuft worden; stattdessen wurden 7,7 Prozent als Typ-1- und 87,8 Prozent als Typ-2-Diabetiker eingeordnet. Bei den Typ-3c-Diabetikern verlief die Krankheit ungünstiger: Ihr Risiko für eine unzureichende glykämische Kontrolle (HbA1c≥7 Prozent) war ein Jahr nach Diagnose um 30 Prozent und fünf Jahre danach um 70 Prozent höher als bei Typ-2-Diabetikern. Von den Typ-3c-Patienten wurden binnen fünf Jahre nach Diagnose 29,6 Prozent mit Insulin behandelt, von den Typ-2-Diabetikern nur 4,1 Prozent.

"Diabetes nach einer Pankreaserkrankung wird oft als Typ-2-Diabetes eingeordnet, nimmt aber einen anderen klinischen Verlauf mit schlechterer Blutzuckerkontrolle und höherem Insulinbedarf", ist das Fazit der Studienautoren. Viele Patienten seien wahrscheinlich falsch klassifiziert worden, weil sie bei der Diagnose schon älter und oft stark übergewichtig waren. Bei neu entdecktem Diabetes sollte aber immer auch eine mögliche vorangegangene Pankreaserkrankungen abgeklärt werden. Jedoch sei unklar, ob jeder Diabetes in Folge einer Pankreaserkrankung nach den Empfehlungen für Typ-3c-Diabetes behandelt werden sollte. Das müsse noch weiter untersucht werden.

Das ist typisch für Typ-3-Diabetes

Sekundärer Diabetes entsteht durch genetische Defekte, Erkrankungen, hormoneller Störungen, Infektionen oder Medikamente.

Unterschieden werden:

  • genetische Beta-Zell-Defekte (Typ 3a),
  • genetische Defekte der Insulinwirkung (3b)
  • Erkrankungen oder Entfernung des Pankreas (3c),
  • Diabetes durch Endokrinopathien (3d),
  • Diabetes durch Medikamente oder Chemikalien (3e),
  • Virusinfektionen (3f),
  • ungewöhnliche Formen des immunvermittelten Diabetes (3g),
  • genetische Syndrome (3h).
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