Ärzte Zeitung, 17.04.2018

Experten-Tipps

Was Diabetikerinnen in den Wechseljahren wissen müssen

Diabetikerinnen in den Wechseljahren haben oft mit schwankenden Blutzuckerwerten zu kämpfen. Wichtig ist die engmaschige Kontrolle und Beratung.

BERLIN. Frauen mit Diabetes kommen frühzeitiger in die Wechseljahre als Frauen ohne Diabetes. Zudem steigt durch das Klimakterium das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei Diabetes-Patientinnen an, erinnert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Die Gründe sind das sinkende Östrogen, die dadurch schwankenden Blutzuckerwerte und die Neigung zur Gewichtszunahme.

Die Gesellschaft rät betroffenen Frauen daher zu einer engmaschigen Blutzuckerkontrolle und empfiehlt, die Therapie gegebenenfalls der neuen Hormonlage anzupassen. Bei einer Hormontherapie sollten Vor- und Nachteile individuell abgewogen werden.

Stress und Schlafstörungen beeinflussen Blutzuckerspiegel

Auch Patientinnen mit einem bislang gut eingestellten Diabetes leiden im Klimakterium unter schwankenden Blutzuckerwerten, da das Östrogen nicht kontinuierlich, sondern oftmals sprunghaft abnimmt.

"Der vermehrte Stress, verursacht durch Schlafstörungen und Hitzewallungen, tut sein Übriges, um den Blutzuckerspiegel negativ zu beeinflussen", betont Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Zentrum für Innere Medizin Fünf Höfe in München in der DDG-Mitteilung.

Sie empfiehlt Diabetes-Patientinnen daher, sich rechtzeitig mit dem Thema Wechseljahre auseinanderzusetzen: "Es ist ratsam, sich beizeiten vom behandelnden Diabetologen beraten zu lassen". Denn Östrogenmangel setzt nicht nur die Insulinempfindlichkeit herab, sondern steigert auch die Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen.

"Zudem darf man nicht vergessen, dass die hormonelle Umstellung bis zu zehn Jahre dauern kann – da ist ein gut eingestellter Blutzuckerstoffwechsel für ein gesundes Altern unabdingbar", ergänzt DDG Präsident Professor Dirk Müller-Wieland.

Lebensstil dringend anpassen

Generell sollten Patientinnen mit Diabetes Typ 2 und Typ 1 dringend ihren Lebensstil an die neue Situation anpassen, indem sie sich ausreichend bewegen und bewusst ernähren. "Die Wenigsten wissen, dass in diesem Lebensabschnitt der Grundbedarf an Kalorien deutlich reduziert ist, so dass leider deutlich weniger Kalorien nötig sind, um das Körpergewicht stabil zu halten", so Schumm-Draeger.

Darüber hinaus werten Diabetes-Patientinnen typische Wechseljahresbeschwerden wie Herzrasen und Schweißausbrüche häufig fälschlicherweise als Symptome für Unterzuckerung und begegnen dem mit erhöhter Nahrungsaufnahme.

"Auch das führt zu Übergewicht und einer schlechteren Blutzuckereinstellung", so Schumm-Draeger. Häufigere Blutzuckermessungen helfen, das Missverständnis zu umgehen.

Ob eine Frau von einer Hormontherapie profitiert, lässt sich nicht pauschal beantworten. "Wir empfehlen, bei starkem Übergewicht und Bluthochdruck eine Hormontherapie sorgfältig zu überdenken", so Schumm-Draeger.

Bei Patientinnen mit Gebärmutter- oder Brustkrebs eigne sich die Behandlung ja eher nicht. "In jedem Fall sollten Vor- und Nachteile zwischen Arzt und Patientin individuell abgewogen werden", betont auch Müller-Wieland. (eb)

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