Ärzte Zeitung online, 14.12.2018

Digital Health

Digitale Zwillinge – Therapieoption der Zukunft?

Diabetiker erhoffen sich von ihrem virtuellen Abbild zur Simulation medizinischer Anwendungen eine Erleichterung im Krankheitsmanagement.

DÜSSELDORF. Spätestens seit dem diesjährigen Digital-Gipfel der Bundesregierung Anfang Dezember in Nürnberg dürfte einem Großteil der Deutschen der Begriff des digitalen Zwillings – das virtuelle Abbild eines Patienten zur Simulation medizinischer Anwendungen – bekannt sein. Der gemeinsam vom Freistaat Bayern und dem Medizintechnikspezialisten Siemens Healthineers präsentierte digitale Herzens-Zwilling für CRT-Patienten war ein Gipfel-Highlight.

Und in der Tat: Sieben von zehn Bürgern schätzen diesen virtuellen Patienten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1000 Bundesbürgern. Die Deutschen sind davon überzeugt (74 Prozent), dass der digitale Zwilling die medizinische Forschung stark vorantreiben kann und das er einen vielversprechenden Ansatz für die Medizin der Zukunft darstellt, wie 76 Prozent angeben.

Zusätzlich wurden für die Studie rund 200 Diabetiker separat befragt. Konkret auf ihr Krankheitsbild angesprochen, erhoffen sich 44 Prozent der befragten Diabetiker durch eine virtuelle Simulation die Möglichkeit, Folgeschäden ihrer chronischen Krankheit erkennen und minimieren zu können.

Weitere Vorteile erwarten sie durch die Reduzierung der Gefahr einer Hyper- oder Hypoglykämie (41 Prozent) oder durch die Hilfe bei der optimalen Medikamenteneinstellung (40 Prozent). Die Erwartung, dass digitale Zwillinge ihnen helfen, ihren Therapieverlauf effektiv zu steuern, haben 38 Prozent der Diabetiker, 33 Prozent gehen davon aus, dass ihnen das digitale alter ego mehr Sicherheit im Umgang mit ihrer Erkrankungen – und damit beim Diabetesmanagement – geben würde.

29 Prozent wünschen sich von digitalen Zwillingen Unterstützung bei der Prognose von Puls- und Blutdruckwerten, 26 Prozent erhoffen sich durch die digitalen Helfer, die Frequenz der Arztbesuche reduzieren zu können. 22 Prozent der befragten Diabetiker lehnten den potenziellen Einsatz der digitalen Zwillinge im diabetischen Versorgungsalltag generell strikt ab – in der Gesamtbevölkerung trifft dies bei gleicher Fragestellung nur auf 19 Prozent zu.

Fragt man die Komplettverweigerer unter den Diabetikern zu den Gründen für ihre ablehnende Haltung zum Einsatz der digitalen Zwillinge, nennen sie mit 53 Prozent an erster Stelle, sie wollten sich nicht überwachen lassen, gefolgt von 47 Prozent mit dem Argument, sie hätten kein Vertrauen in diese Technik.

Die Kosten für eine flächendeckende Einführung digitaler Zwillinge sollten nach Meinung von 62 Prozent der Deutschen von den Krankenkassen getragen werden – unter den Diabetikern sind 71 Prozent dieser Ansicht. (maw)

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