Ärzte Zeitung online, 27.12.2013

Psoriasis

Mit den Pfunden weichen die Plaques

Übergewichtige Patienten mit Psoriasis sollten auf Kalorien achten und sich regelmäßig trimmen, raten italienische Forscher. Schon moderate Erfolge beim Abnehmen führten in ihrer Studie zu einer Reduktion der Psoriasis-Plaques um die Hälfte.

BERGAMO. Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Schuppenflechte; dieser Zusammenhang ist gut belegt. Dass umgekehrt Maßnahmen zur Gewichtsreduktion die Psoriasis zurückdrängen können, hat jetzt ein italienisches Team nachgewiesen.

Wie die Wissenschaftler um Luigi Naldi vom dermatologischen Forschungszentrum GISED in Bergamo berichten, resultierte eine 20-wöchige Intervention mit Training und Ernährungsberatung in einem durchschnittlich 48 Prozent-igen Rückgang im PASI-Score (Br J Dermatol 2013; online 14. November).

Im "Psoriasis Area and Severity Index" werden Ausdehnung und Schwere der Schuppenflechte auf einer Skala von 0 bis 72 erfasst (der Wert steigt mit der Schwere der Erkrankung). Alle 300 Teilnehmer der Studie hatten einen PASI-Wert von mindestens 10, was einer mäßigen bis schweren Krankheitsaktivität entspricht, und waren übergewichtig.

Eine mindestens vierwöchige systemische Psoriasis-Therapie war erfolglos geblieben. Das Alter der Patienten lag im Durchschnitt bei 53, der BMI bei 30,8.

Anleitung zu Diät und Körpertraining

Das Programm, das die Forscher ihnen nun auferlegten, beinhaltete Folgendes: Die Patienten erhielten zunächst eine 20-minütige Einführung von einem Ernährungsberater; danach wurden ein persönlich zugeschnittener Ernährungsplan sowie Instruktionen zu regelmäßigem körperlichem Training ausgehändigt. Nach dem Diätplan waren drei Mahlzeiten täglich plus maximal zwei Snacks erlaubt.

Die Energieaufnahme sollte in den ersten drei Monaten nicht mehr als 80 Prozent des metabolischen Ruheumsatzes (Resting Metabolic Rate, RMR) betragen, danach wurde auf 100 Prozent gesteigert.

Die Nährstoffe waren folgendermaßen verteilt: 55 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent Fett und 15 Prozent Proteine. Trainiert wurde mindestens dreimal die Woche à 40 Minuten. Als Ziel der Intervention galt eine Gewichtsreduktion um mindestens 5 Prozent.

30 Prozent erzielten Gewichtsreduktion um mindestens 5 Prozent

Dieses Ziel erreichten immerhin knapp 30 Prozent der intensiv betreuten Patienten. Dagegen schnitt eine Gruppe von Psoriasispatienten, die lediglich grundlegende Informationen zum Nutzen des Abnehmens erhalten hatten, deutlich schlechter ab, und zwar nicht nur bei der Gewichtsreduktion (nur 14,5 Prozent nahmen mehr als 5 Prozent ab), sondern auch im PASI-Score (25 Prozent Reduktion gegenüber 48 Prozent).

Der BMI war in der aktiven Gruppe im Schnitt um 3 Prozent gesunken, in der Vergleichsgruppe um 1,9 Prozent; dieses, wie auch die anderen genannten Ergebnisse, war signifikant. Überraschenderweise zeigte die Intervention bei Männern mehr Erfolg als bei Frauen.

Bei Adipositas wird im Fettgewebe eine Vielzahl proinflammatorischer Zytokine produziert, erläutern Naldi und Kollegen. Ähnliche Vorgänge wurden auch bei der Psoriasis beobachtet. Und wie beim Übergewicht ist auch bei der Psoriasis das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Dieses sinkt, wenn die Patienten abnehmen.

Die Gewichtsreduktion in der italienischen Studie war relativ moderat; trotzdem trat der Effekt auf die Psoriasis klar in Erscheinung, und das nach erfolgloser Vorbehandlung. Für Naldi und sein Team ist das ein Beleg dafür, dass schon geringe Erfolge beim Abnehmen erhebliche Stoffwechselveränderungen nach sich ziehen.

Die Gewichtsreduktion, so die Forscher, sollte als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts bei übergewichtigen Psoriatikern zum Einsatz kommen. Inwieweit sich dies langfristig auf die Hautkrankheit auswirkt, müssen weitere Studien zeigen. (EO)

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