Ärzte Zeitung online, 23.08.2017
 

Medizinprodukte

Plädoyer für Interdisziplinarität bei Fußulkus

Beim diabetischen Fuß bekommen Ärzte Rückenwind von der Medizinprodukteindustrie. Die Branche fordert eine bessere Vergütung zur Vermeidung von Amputationen.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN. Angesichts der 50.000 Fußamputationen, die in Deutschland jährlich im Zuge eines diabetischen Fußulkus erfolgen, fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) einen Paradigmenwechsel bei der kassenärztlichen Honorierung. Die im BVMed organisierten Hersteller moderner Wundauflagen unterstützen die Forderung von Diabetologen nach einer auf den Erhalt der Füße ausgerichteten Behandlungsvergütung. "Bei Diabetikern könnten dadurch viele Fußamputationen vermieden werden", so BVMed-Geschäftsführer und -Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Die Fachgesellschaften sind der Meinung, dass es für die im internationalen Vergleich hohe Zahl von Fußamputationen verschiedene Ursachen gibt: Statt Amputationen zu finanzieren sollte mehr in die zeit- und ressourcenaufwändige Behandlung mit dem Ziel investiert werden, den Fuß zu erhalten.

50000

Fußamputationen finden in Deutschland jährlich im Zuge eines diabetischen Fußulkus statt.

Bei der Abrechnung der Behandlung des diabetischen Fußes nach EBM müssen Ärzte verschiedenste Bedingungen und Ausschlüsse beachten, die den Behandlungsalltag nicht gerade erleichtern. So ist der Leistungsinhalt der GO-Nr. 02311 "Behandlung des diabetischen Fußes", berechnungsfähig je Sitzung und je Bein, genau definiert. Mit 140 Punkten bewertet, ergibt diese Leistung 14,38 Euro pro Sitzung – bei Versorgung beider Beine 28,76 Euro. Doch ist auf die Ausschlüsse zu achten. Eine der Fallen: Ohne Abtragung von Nekrosen ist die Position nicht abrechenbar, dabei ist auch die Versorgung eines diabetischen Fußulkus (ohne Nekrosen) relativ aufwändig. Zudem bedarf die Berechnung der Nr. 02311 der KV-Genehmigung.

Um Ärzte bei der Prävention und Vermeidung von Amputationen besser zu unterstützen, sollte deutlich mehr über die hydroaktive und phasengerechte Wundversorgung informiert und in die Wundtherapie investiert werden, so der BVMed. Dabei sollten spezielle Fußambulanzen wie regionale Wundnetze zur Behandlung chronischer Wunden ausgebaut und die Vergütungsstrukturen verbessert werden.

"Die Vermeidung von Amputationen und der Erhalt des Fußes müssen sich lohnen. Damit würde den Patienten mit diabetischem Fußsyndrom viel Leid erspart werden. Und gleichzeitig würden die Folgekosten von Amputationen deutlich reduziert werden können", verdeutlicht der Verband.

In einer besonderen Weise kooperierten die Beteiligten bei der Patientenversorgung interdisziplinär und interprofessionell und seien damit ein Beispiel moderner Gesundheitsversorgung. Hierfür neue Vergütungsformen zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Patienten nach guter Versorgung gerecht würden und wirtschaftlich mit den begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen umzugehen hülfen, sei eine übergreifende Aufgabe, die nicht allein von den Kostenträgern gelöst werden könne.

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