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Belgische Studie

Feinstaubbelastete Schwangere – vorgealterte Neugeborene?

Wenn Kinder bereits im Mutterleib einer erhöhten Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, kommen sie einer Studie zufolge mit verkürzten Telomeren zur Welt – ein Vorbote für schnelleres Altern?

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Feinstaubbelastung während der Schwangerschaft ist offenbar riskant für den Fetus.

Feinstaubbelastung während der Schwangerschaft ist offenbar riskant für den Fetus.

© Rafael Ben-Ari / Fotolia

DIEPENBEEK. An den Endabschnitten der Chromosomen befinden sich schützende Nukleoproteine. Diese Telomere verkürzen sich bei jeder Zellteilung gegenüber der Mutterzelle, weshalb ihre Länge als Marker für das biologische Altern gilt. Zudem nagen an den Telomeren Abläufe wie etwa oxidativer Stress oder Entzündungsgeschehen.

Im Rahmen der prospektiven Geburtskohortenstudie ENVIRONAGE (Environmental Influence on Ageing in Early Life) hat sich im belgischen Flandern nun ein beunruhigender Befund gezeigt. Dries Martens von der Hasselt-Universität in Diepenbeek und Kollegen haben die Telomerlänge von Leukozyten im Nabelschnurblut sowie von Plazentazellen bei 641 Reifgeborenen untersucht (JAMA Pediatr. 2017; online 16. Oktober).

Die Mütter waren während der Schwangerschaft je nach Wohngegend unterschiedlich starken Feinstaubbelastungen (PM 2,5) ausgesetzt. Diese Belastungen wurden wöchentlich erfasst. Die Durchschnittsbelastung lag bei 13,4 µg/m3 (4,3–32,5 µg/m3).

Einflüsse besonders im 2. Trimenon

Feinstaub

  • Die als Feinstaub bezeichnete Staubfraktion enthält 50 Prozent der Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 µm (laut Bundesumweltamt).
  • PM2,5 ist eine Teilmenge von PM10. Partikel dieser Größe können bis in die Lungenbläschen gelangen.
  • Eine aktuelle Bewertung der Gesundheitsauswirkungen von Feinstaub durch die WHO hat klar gezeigt, dass eine erhöhte PM2,5-Belastung in Zusammenhang mit schweren Gesundheitsauswirkungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) steht.

Es zeigte sich in der Studie ein signifikanter inverser Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der mütterlichen Exposition in der mittleren Schwangerschaft und der Telomerlänge der Neugeborenen. Am deutlichsten wurde dieser Zusammenhang bei der Exposition in der 19. beziehungsweise 21. Schwangerschaftswoche.

Ein Zuwachs bei der Feinstaubbelastung um je 5 µg/m3 während der gesamten Schwangerschaft stand in Verbindung mit einer Telomerverkürzung in den Leukozyten des Nabelschnurblutes um 8,8 Prozent und in der Plazenta um 13,2 Prozent.

Bei der Analyse waren Störfaktoren wie Geburtsdatum, Gestationsalter, mütterlicher BMI, Alter der Mutter und des Vaters, Geschlecht und Ethnie des Neugeborenen sowie die Jahreszeit der Geburt berücksichtigt worden, außerdem Nikotinkonsum und Ausbildungsstand der Mutter sowie Schwangerschaftskomplikationen und Umgebungstemperatur.

Aufgrund ihrer Ergebnisse kommen Martens und Kollegen zu dem Schluss, dass Mütter, die während der Schwangerschaft erhöhten Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt sind, Kinder mit kürzeren Telomeren gebären.

Sie gehen davon aus, dass durch die bereits verkürzten Telomere weniger Spielraum bestehe, um zusätzliche Negativeinflüsse auf die Telomerlänge, etwa durch Entzündungsprozesse, im späteren Leben abzufedern.

Deshalb, so Martens und Kollegen, habe eine verbesserte Luftqualität möglicherweise auf molekularer Ebene von Geburt an positiven Einfluss auf die Lebensdauer. Um die Ergebnisse dieser Studie zu vertiefen, seien prospektive Follow-up-Untersuchungen nötig, in denen die Gesundheit der Neugeborenen mit Telomerverkürzungen infolge Umweltbelastung bis in das Erwachsenenleben beobachtet werde.

Follow-up-Studien sind nötig

In einem Editorial stehen Pam Factor-Litvak von der Columbia University, New York, und Kollegen den Interpretationen von Martens und Kollegen allerdings skeptisch gegenüber. Sie halten die Telomerlänge bei der Geburt nicht unbedingt für einen Biomarker des Alters.

Vielmehr könnten die Telomerlängen aus verschiedenen Gründen auch Hinweise auf die Neigung zu bestimmten Krankheiten des späteren Leben geben. Zudem weisen die Verfasser des Editorials auf mögliche methodische Mängel bei der Bestimmung der Telomerlänge sowie auf abweichende Befunde im letzten Schwangerschaftsdrittel hin und beanstanden das Fehlen einer Negativkontrolle nach Beendigung der Schwangerschaft.

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