Ärzte Zeitung online, 20.12.2018

Studie

Schweiß fürs Herz

Je häufiger man in der Sauna schwitzt, desto geringer ist das Risiko, an einem akuten Herz-Kreislauf-Ereignis zu sterben, so eine finnische Studie. Allerdings muss man dafür schon die landestypische Mentalität mitbringen – und für Frauen sieht es anders aus.

Von Christine Starostzik

Schweiß fürs Herz

Die Sauna und das Herz: Selbst für KHK-Patienten ist Saunieren häufig kein Problem.

© petejau / Getty Images / iStock

KUOPIO / FINNLAND. Die verschiedenen Vorteile des regelmäßigen Saunabadens für die Gesundheit sind in vielen Studien beschrieben worden. Dass sich die Schwitzerei lohnt, zeigen unter anderem positive Effekte auf den Blutdruck, auf neurokognitive Erkrankungen, Lungenerkrankungen und Schmerzen. Und ganz allgemein dient der Saunabesuch allen Gesunden zur Entspannung und Prävention.

Die traditionelle finnische Sauna ist heiß und trocken. In Kopfhöhe herrschen etwa 80–100°C, am Boden etwa 30°C. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 10–20 Prozent.

Jetzt haben finnische Wissenschaftler um Tanjaniina Laukkanen von der University of Eastern Finnland in Kuopio den Einfluss regelmäßiger Saunagänge auf tödliche kardiovaskuläre Ereignisse (CVD) untersucht (BMC Med 2018; 16:219).

Gut für CVD-Mortalität?

Hierzu nutzten sie die Daten der Kuopio Ischaemic Heart Disease-(KIHD) Studie, einer prospektiven Kohortenstudie, in der die Saunagewohnheiten der Finnen sowie weitere Einflüsse auf kardiovaskuläre Erkrankungen untersucht wurden. Die 1688 durchschnittlich 63-jährigen Studienteilnehmer gaben in Fragebögen Auskunft zu ihren Saunagewohnheiten.

Innerhalb der im Median 15-jährigen Beobachtungszeit starben 181 Personen an Herz-Kreislauf-Ereignissen. Dabei war ein linearer Zusammenhang zu beobachten: Je häufiger die Teilnehmer pro Woche die Sauna besuchten, umso niedriger war die CVD-bedingte Mortalität.

Nach Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, körperlicher Aktivität, sozioökonomischem Status und dem Vorhandensein einer KHK ergab sich folgendes Bild: Männer, die zwei- bis dreimal pro Woche die Sauna besuchten, hatten gegenüber denjenigen mit wöchentlichem Turnus einen Vorteil von 32 Prozent bezüglich der CVD-Mortalität. Saunabesucher, die vier- bis siebenmal pro Woche schwitzten, reduzierten ihr Risiko gleich um 74 Prozent.

Leicht anderes Bild bei Frauen

Ohne Signifikanz war der Unterschied bei den Frauen. Hier sank die CVD-Mortalität bei zwei bis drei Saunabesuchen pro Woche gegenüber dem einmal wöchentlichen Saunieren um 12 Prozent. Unter den 73 Frauen, die noch häufiger schwitzten, kam es zu keinem CVD-Ereignis, eine statistische Berechnung war nicht möglich.

Neben der Frequenz untersuchten die Forscher auch die Gesamtdauer der Saunabesuche pro Woche. Auch hier waren Vorteile für die Studienteilnehmer mit Ausdauer erkennbar. So lag das CVD-assoziierte Mortalitätsrisiko bei denjenigen, die länger als 45 Minuten pro Woche in der Sauna saßen, signifikant um 40 Prozent niedriger als bei einer Schwitzdauer von insgesamt maximal 15 Minuten.

Zur deutlichen Reduktion des CVD-bedingten Sterberisikos von Männern und Frauen empfehlen die Forscher aufgrund ihrer Studienergebnisse mehr als vier Saunabesuche pro Woche mit einer Gesamtdauer von über 45 Minuten. Das schaffen aber wohl nur die Finnen.

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[21.12.2018, 11:50:05]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sauna, Saufen, Schmausen, Schwitzen - "Die spinnen, die Finnen"?
Mit "Sauna bathing is associated with reduced cardiovascular mortality and improves risk prediction in men and women: a prospective cohort study" von Tanjaniina Laukkanen et al.
https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-018-1198-0
wurde im Trüben der "Finnish Kuopio Ischemic Heart Disease Study" gefischt.
Die vorgelegte "Follow-Up" Studie ist gar keine prospektive Studie: Wissenschafts- und erkenntnistheoretisch ist es höchst peinlich: "A total of 181 fatal CVD events occurred during a median follow-up of 15.0 years (interquartile range, 14.1–15.9). The risk of CVD mortality decreased linearly with increasing sauna sessions per week with no threshold effect" zu formulieren, aber im Titel hochtrabend von "prospektiver" Studie zu sprechen. 

- Erstens gibt es prinzipiell keine Placebo-Vergleichsgruppe, die nur scheinbar eine Sauna besucht hat und deren kardiovaskuläre Mortalität gegenüber einer Verum-Sauna-Gruppe gemessen werden könnte.

- Zweitens kommt es zu einem "Selection-Bias", weil wer zu arm, zu schwach, zu krank, zu kraftlos, zu Risikofaktoren-behaftet, zu behindert, zu (prä-)morbide, zu sehr bio-psycho-sozial Teilhabe-gemindert oder gar dement ist, kann z.B. bis zu sieben mal wöchentliche Saunabesuche gar nicht absolvieren. Wer die Schwelle einer Sauna-Tür mit schlechteren gesundheitlichen Voraussetzungen gar nicht mehr überwinden kann, als die häufig saunierende Vergleichsgruppe einer insgesamt gesünderen Population, hat per se eine höhere kardiovaskuläre (CVD) Morbidität und Mortalität.

Wer dagegen gesund, sozio-ökonomisch unabhängig und wohlhabend genug ist, eine signifikant höhere Wochenzeit in der Sauna zu verbringen, optimiert damit statistisch seine Lebenserwartung und reduziert seine Morbiditäts- und Mortalitäts-Last.

Was die Studie völlig unberücksichtigt ließ, ist der hohe, in Finnland übliche Alkoholgenuss und die gesellige Kalorien-Aufnahme im Zusammenhang mit Saunagängen.

Insofern kann man auch den Titel der Publikation zum Schlaganfall-Risiko und häufigen Saunagängen: "Sauna bathing reduces the risk of stroke in Finnish men and women - A prospective cohort study" von Setor K. Kunutsor et al. als "overexaggerating" bezeichnen. 
http://n.neurology.org/content/early/2018/05/02/WNL.0000000000005606
Denn deren Schlussfolgerungen benennt bei der untersuchten Kohorte nur eine "follow-up study": "Conclusions - This long-term follow-up study shows that middle-aged to elderly men and women who take frequent sauna baths have a substantially reduced risk of new-onset stroke."

Hier wurde auch ohne solide Ausgangshypothese im Daten-Rohmaterial der "Finnish Kuopio Ischemic Heart Disease prospective cohort study" gesucht, um ex-post möglichst spektakuläre Ergebnisse zu generieren. Eingangs erhobene Sauna-Gewohnheiten wurden im Langzeit-Beobachtungsverlauf auch nicht mehr erneut überprüft, damit das von vorneherein feststehende Ergebnis gar nicht erst hinterfragt werden musste.

Wer ausgerechnet in Finnland ungewöhnlich seltene Saunabesuche angibt, hat dafür triftige Gründe wie Krankheitsdispositionen, gesundheitliche Risiken/Einschränkungen, Mobilitäts- oder Motivationsdefizite und häufig weitere Risikofaktoren für Schlaganfälle wie Adipositas, Nikotin- und Alkoholabusus, Fehlernährung, metabolisches Syndrom, chronische Systemerkrankungen etc.

Entscheidenden Gründe für Schlaganfall-Risiko-Erhöhungen und CVD-Risiken werden bei häufigen Saunagängen bio-psycho-sozial ausgeblendet und führen systematisch zu einem besseren Outcome der Saunaliebhaber. Alle anderen, die eine Saunatür nicht mehr erreichen, aufmachen und zum Saunieren eintreten können, müssen einfach früher "den Löffel abgeben".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S.: Dass in der finnischen Sauna in Kopfhöhe Luft-Temperaturen von etwa 80–100°C bzw. in Extremfällen bis 110°C vorherrschen sollen, ist irreführend. Entsprechende Wandthermometer registrieren die Wärmestrahlung der Wand und ihres Metallgehäuses. Wissenschaftlich exakt ist nur das Schleuderthermometer als spezielles Alkohol- oder Quecksilber-Thermometer zur Messung der Lufttemperatur. Es wird an einer Schnur einige Sekunden lang in Kopfhöhe im Kreis bewegt. Die Messergebnisse liegen dann mit etwa 70-80°C deutlich niedriger.  zum Beitrag »

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