Ärzte Zeitung, 06.12.2006
 

Strenge Blutdruckeinstellung - Risiko fürs Auge

Bei starkem nächtlichem Blutdruckabfall ist die Glaukomgefahr erhöht / Ursache ist eine Minderperfusion der Papille

LAS VEGAS (rdg). Hypertoniker, deren Blutdruck niedrig eingestellt ist und die ihre Medikamente spät abends nehmen, haben ein erhöhtes Risiko für ein Normaldruck-Glaukom. Das sollte bei der Verordnung einer antihypertensiven Therapie bedacht werden. Zudem ist es ratsam, Glaukom-Patienten nach einer solchen Behandlung zu fragen.

Selbst bei normalem Augeninnendruck kann ein Glaukom entstehen. Wichtiger Faktor ist niedriger Blutdruck. Foto: ÄZ

Darauf hat Dr. Sohan Singh Hayreh aus Iowa City bei einer Ophthalmologen-Tagung in Las Vegas hingewiesen. Hayreh hatte 1970 festgestellt, daß eine glaukomatöse Optikus-Neuropathie entsteht, wenn die Papille nicht genügend durchblutet wird.

Die eine Ursache kann - beim klassischen primären Offenwinkelglaukom - ein Anstieg des Augeninnendrucks sein, die andere ein Abfall des systemischen Blutdrucks. Etwa ein Drittel der Glaukom-Patienten hat ein Normaldruck-Glaukom. Bei ihnen liegt der Augeninnendruck im Normbereich unter 21 mmHg, trotzdem sind am Sehnerv die typischen Glaukomschäden zu erkennen. Unbehandelt können sie in eine Optikusatrophie mit Ausfällen des Gesichtsfelds münden.

Patienten mit Normaldruck-Glaukom sind oft Hypotoniker. Der niedrige Blutdruck führt zu einer Minderperfusion des Sehnerven und zu einer Apoptose der Ganglienzellen. Doch auch Hypertoniker können einen zu niedrigen Blutdruck haben. Grund ist eine intensive Behandlung zum Beispiel mit ACE-Hemmern, Beta- und Kalziumkanal-Blockern.

Nach Studien aus Iowa besteht bei Hypertonikern mit starker antihypertensiver Therapie ein signifikanter Zusammenhang zwischen nächtlicher iatrogener Hypotonie und Visusverlust. Die Minderperfusion im Auge ist besonders ausgeprägt, wenn die Medikamente kurz vor dem Schlafengehen genommen werden.

Allgemein, so Hayreh, werde der Blutdruck aber tagsüber gemessen, und die Ergebnisse erlaubten oft keine Aussage über die Werte nachts. Erst die 24-Stunden-Überwachung ergibt bei diesen Patienten nächtliche Blutdruckabfälle, die um so kräftiger ausgeprägt sind, je tiefer der Schlaf ist.

Hayreh rät, Patienten mit Optikusneuropathie nach einer antihypertensiven Therapie und dem Zeitpunkt der Medikamenten-Einnahme zu fragen. Bestätigt sich der Verdacht, daß in der Nacht ein Blutdruckabfall stattfindet, ist zu erwägen, ob das Therapieschema verändert oder die Dosierung verringert werden kann.

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